Januar 30

Fat-Cat-Day & Bonis für die Elite.

Das Konzept des Fat-Cat-Days kannte ich noch gar nicht. Erfunden bzw. erdacht von einem britischen Think-Tank ist es der Tag im Jahr, an dem ein Vorstandschef so viel Geld verdient hat, wie ein durchschnittlicher britischer Vollzeitbeschäftigter im ganzen Jahr. Dieses Jahr war es der vierte Januar. Da hatten die fleißigen Bienen aus der Chefetage etwa 33.000€ „erwirtschaftet“. Wenn man den Neujahrstag noch abzieht, haben sie dafür knallharte drei Tage gebuckelt. Setzt man 12 Stunden am Tag an (höhöhö… als ob…), dann macht das abzüglich Mittagspausen einen guten Tausender die Stunde. Bestimmt gerechtfertigt. In Österreich ist das laut Standard deutlich besser, hier müssen die Cheffinenzen sich anstrengende sechs Arbeitstage reinknien – alles Kandidaten für die Hackler-Regelung. Details zum Thema Fat-Cat-Day gibt’s in einem Artikel des Standards.

Wo wir grade beim Thema sind: Die Deutsche Bank hat ihren Bankstern für 2017 mehr als eine Milliarde Euro Bonis gezahlt. Im Grunde nicht viel, das können 1250 Supermarkt-Verkäuferinnen auch gemeinsam beiseite legen. Wenn Sie 46 Jahre jedes Jahr 220 Tage â acht Stunden arbeiten gehen. Und ihre geschätzten 10 Euro pro Stunde immer komplett auf die Bank bringen. Das Ganze ist auch eigentlich nur deshalb in die Presse gekommen, weil die Deutsche Bank letztes Jahr Verluste gemacht hat und dennoch die Bonis von 500Mio auf über eine Milliarde angehoben hat. 2015 waren es allerdings stolze 2,4 Milliarden Euro, das wird die Herren über das Gröbste hinweggetröstet und geholfen haben, die harte Zeit zu überstehen.

Begündung der Bankster war, da würden „die besten Leute gehen“, wenn sie nicht gezahlt hätten. Sie haben mit diesen „besten Leuten“ allerdings Verluste gemacht, in anderen Branchen würden einige Leute da vielleicht eine Diskrepanz sehen, aber Bankster haben sich ja noch nie für Logik oder Verhältnismäßigkeit interessiert. Wenn meine Gelddruckmaschine Verluste machen würde, würde ich ja denken, dass die besten Leute wohl schon letztes Jahr gegangen sind…

Quelle u.a. der ORF

Zum Abschluss noch folgendes „Werbeplakat“ einer Künstlergruppe, dass mich an den Wahlkampf die letzten Wochen und diese Geschichten denken lässt:

Es handelt sich anscheinend bei diesen Postern um eine Aktion der Künstlergruppe Dies Irae (Fakebook-Link), hier gibts mehr von Ihnen.

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April 3

Musike am Montag – Kirchturmkandidaten von Jan Delay

Aktueller denn je….

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März 31

Mein Geld, meine Daten, meine Privatsphäre!

Wieder einmal gibt es Überlegungen in der EU, gegen das Bargeld vorzugehen. Ich bin ein strikter Gegner der Abschaffung des Bargeldes, eine kurze Erläuterung, warum, habe ich an die Umfrage gehängt, über die ich gleich noch was schreibe:

Ich bin der Meinung, dass eine weitere Einschränkung der Verwendungsmöglichkeiten von Bargeld einen erheblichen Eingriff in mein Recht auf informationelle Selbstbestimmung bedeutet. Ich möchte frei entscheiden können, ob ich beim Einkaufen dem Verkäufer meine Identität mitteilen möchte. Bereits heute verzichte ich auf Kundenkarten, Treueprogramme oder „Payback“-Karten, weil ich Angst vor Datenaggregatoren habe, die meine Einkaufsgewohnheiten sammeln, de-anonymisieren und dann meistbietend verkaufen. Dieses würde ad absurdum geführt, wenn ich stattdessen anhand meines digitalen Zahlungsmittels getrackt werden könnte.

Ich habe nichts gegen bestimmte Obergrenzen, so wie es sie auch heute schon gibt. Alles ab 10.000€ darf meinethalben digital erledigt werden müssen. Ich glaube allerdings fest daran, dass es weder gegen Terrorismus oder Geldwäsche bzw. Steuerhinterziehung hilft.

Terrorismus wird meiner Meinung nach weitgehend aus dem Ausland finanziert, wo solche Regeln entweder nicht existieren oder, wenn der Terror von größeren Organisatoren bzw. Staaten finanziert wird, die Regeln nicht angewendet werden.

Steuerhinterziehung und Geldwäsche wird meiner Meinung nach ebenfalls (zumindest in dem Rahmen, wo es wirklich spannend wird) von Personen mit Zugriff auf andere Ressourcen wie Anwälte, Stiftungen, Briefkastenfirmen etc. betrieben und wird daher durch eine Reduzierung des freien Bargeldverkehrs sicher wenig beeinträchtigt.

Auch wenn der Herr Tychi da spricht, über den ich mir derzeit keine abschließende Meinung gebildet habe, glaube ich, dass dieses Video einen recht interessanten Diskurs zu dem Theme beinhaltet:

(Man kommt an Tichy auch kaum vorbei, wenn man zu dem Thema Bargeldabschaffung Informationen sucht) Was in dem Video so gegen Mitte etwas durcheinander geworfen wird sind Negativzinsen und Inflation, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe:

Negativzinsen haben wir schon, auch wenn es vielleicht noch keine Privatsparer betrifft. Das bedeutet, ich legen 1.000 Euro auf die Bank und habe, nehmen wir mal -0,5% Zinsen an, nach einem Jahr entsprechend nur noch 995€ auf dem Konto. Das kann mir bei Bargeld nicht passieren, das wird höchsten geklaut oder verbrennt bei einem Luftschiffunglück über dem Footballstadion am Neujahrstag, aber es wird von alleine nicht weniger (oder mehr, wenn wir mal eine positivere Zinsentwicklung annehmen).

Inflation heißt, ich habe am Anfang des Jahres 100 Euro und bekomme dafür eine bestimmte Menge Waren, sagen wir der Einfachheit halber, ich bekomme dafür 100 Becher Kaffee beim Spar. Nun setzt die Inflation ein, sagen wir mal ganz reißerisch mit 5% und nehmen an, dass sich die Preise immer live anpassen (in Wirklichkeit passiert das natürlich Schrittweise und wir haben in DACH derzeit eine Inflation zwischen -0,43% (CH) und +0,93% (A)). Damit bekomme ich jedenfalls nach einem Jahr für 100€ nur noch 95,2 Kaffees, und zwar unabhängig davon, ob ich die bar oder mit Karte bezahle. Also: Inflation ist nicht das selbe wie Negativzinsen.

Was auch in dem Video irgendwie nicht angesprochen wird: Bargeldloses bezahlen ist nicht gratis, sondern kostet Geld! Auch hier gilt die goldene Regel „Cui Bono?“, wenn man sich anschaut, wer denn die Abschaffung des Bargeldes betreibt: Neben ganz wenigen Verstrahlten, die das aus Überzeungung betreiben, gibt es meiner Meinung nach zwei Gruppen, die hier lobbyieren. Die stärkste Gruppe sind natürlich alle, die an den Daten interessiert sind, seien es Behörden, die hoffen, Steuerhinterziehungen in den Griff zu bekommen oder Datenaggregatoren, die gerne anhand meiner Einkaufsgewohnheiten wissen wollen, ob sie mir die günstige Krankenversicherung noch anbieten wollen oder lieber keine/eine teurere. Die zweite, vermutlich etwas schwächere Gruppe, sind die, die damit mittelbar Geld verdienen: Payment-Provider, seien es jetzt Kreditkarten-Anbieter, Banken oder auch so Fraktionen wie PayPal. Die nehmen Gebühren fürs Abwickeln, je mehr vom Zahlungsverkehr über sie läuft, je mehr schneiden sie mit. Dass sie die Daten dann noch verhökern, ist quasi das Topping auf dem Eis.

Alles in allem ist das Beschneiden des Bargelverkehrs unterhalb eines sinnvollen Betrages ein reiner Angriff auf meine Datensouveränität, da ich dann im Grunde nichts mehr kaufen kann, ohne, dass mehrere Parteien davon in Kenntniss gesetzt werden, angefangen vom Verkäufer über den Payment-Provider bis zu meiner Bank, und da sind noch nicht alle die eingerechnet, die diese Daten dann später kaufen und weiterverbreiten.

Gerade ist die EU dabei, die Bürger zu befragen, was sie denn so im groben davon halten. Diese Umfrage ist in Deutsch, dauert keine zehn Minuten und ist hier zu finden: KONSULTATION – EU-Initiative zu Beschränkungen für Barzahlungen (Falls Ihr es super eilig habt, hier ein direkter Link zur Umfrage)

Macht da mit! Egal, ob Ihr meiner Meinung seit oder nicht. Wer seine Meinung nicht sagt, darf sich nachher nicht wundern, wenn keiner sich danach richtet!

Leider sind sowohl die Risiko- und Folgenabschätzung als auch die Consultation Strategy in Englisch, aber die Rahmeninformationen, die auf der Webseite und in der Umfrage gegeben werden, reichen aus, damit man weiß, dass man bei der richtigen Umfrage ist 😉 (Und informieren und seine Meinung bilden sollte man eh vorher erledigt haben).

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März 9

Networks of Control: A Report on Corporate Surveillance, Digital Tracking, Big Data & Privacy

Am 02.03. habe ich Wolfie Christl (@WolfieChristl) im Metalab in Wien gesehen. Dort hat er seinen Report „Networks of Control: A Report on Corporate Surveillance, Digital Tracking, Big Data & Privacy“ vorgestellt. In diesem Report wird darüber berichtet, wie Firmen damit begonnen haben, Unmengen von Daten über Menschen zu sammeln. Ohne, dass es den meisten bewusst ist, werden immer mehr Daten aus allen Lebensbereichen zusammengetragen und miteinander verknüpft. Diese Buch nun soll zeigen, wer diese Firmen sind, welche Daten sie sammeln oder abfangen und wie diese Daten heute schon genutzt werden. Dazu betrachtet es die Implikationen, die dieses Vorgehen auf unser Leben hat und wie wir in Zukunft damit umgehen können.

Netterweise bietet er das Buch, das er zusammen mit Sarah Spiekermann (@SpiekSarah) von der WU Wien geschrieben hat, auch kostenlos als PDF zum Download an. Man kann es aber auch in broschierter Form bei Facultas erwerben.

Hier ist noch ein Bericht im Standard zum Buch von Sarah Spiekermann (Univ. Prof. Dr. & Head of Institute des Institute for Management Information Systems der WU Wien, wer hat, der hat!)

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