Oktober 1

Lesetipp: „Wieso es keinen Rechtsruck gibt, aber die extreme Rechte trotzdem wächst“ von Jonas Schaible

Jonas Schaible hat sich laut eigenen Angaben zwei Jahre lang Gedanken gemacht und dann diesen Artikel bei t-online geschrieben: „Wieso es keinen Rechtsruck gibt, aber die extreme Rechte trotzdem wächst.

In diesem Artikel führt er aus, warum er nicht an einen Rechtsruck glaubt, sondern denkt (und mit Beispielen belegt), dass die Gesellschaft pluralistischer wird.

Er erklärt oder zeigt auf, warum es nicht die Armen sind, die Rechts wählen; warum es nicht an den Flüchtlingen liegt, wenn die Nazis in Österreich regieren (ich wohne bald 20 Jahre in Österreich und innerlich zucke ich immer zusammen, wenn Österreich in einem Atemzug mit den Rechten aus Polen und Ungarn genannt wird… Danke, Baby-Hitler!) und was Grillfleisch mit den Pegidioten zu tun haben kann.

Ich mag sein Konzept des Konfliktes zwischen „Pluralitären“ und „Normalitären“ – ich erkenne viele Gedanken wieder, die mich schon eine ganze Zeit beschäftigen.

Es ist ein wirklich sehr lesenswerter Artikel, den ich Euch allen ans Herz legen möchte! Wenn Ihr in diesen Tagen was lesen wollt, dann fangt doch mal damit an 🙂

via / Archiv-Link des Artikels

Juli 16

Über Menschen und unter Menschen – Heute: Europas dreckige Ernte

Wenn Ihr glaubt, dass wir Leute, die nicht die richtige Hautfarbe haben oder deren Sprache uns nicht gefällt, einfach nur im Meer ertrinken lassen, kann beruhigt sein: Ein paar lassen wir auch durchkommen, um sie dann auf den Arbeiterstrich zu zwingen, damit wir sie dann so richtig ausbeuten und wie Dreck behandeln können.

Wer nur durchskippt: Diese Slums ohne Kanalisation und voller Hütten aus Müll und Schrott sind nicht etwa in Syrien oder Afghanistan, sondern in Spanien oder Italien. Die Arbeiter, die hier ohne Schutzausrüstung Pestizide sprühen und sich zum Krüppel schuften, arbeiten nicht für böse Diktatoren, sondern für uns, für unseren Einkauf bei Spar, Edeka, Aldi etc.

Ich hoffe, das wir diese Erntehelfer bald durch AfD-, CSU-, ÖVP- und FPÖ-Wähler ersetzen können, damit diese die Bedeutung ihres Mottos „Geht’s der Wirtschaft gut, geht es allen gut“ mal am eigenen Leib erfahren können.

via KFM

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Januar 27

Wahlkrampf in Niederösterreich

In Niederösterreich wird morgen gewählt. Ich möchte noch mal schnell die drei Spitzenkandidaten vorstellen:

1. Die FPÖ mit Angst, Hass und Märchen as usual. Angst und Hass eh klar, und eines meiner Lieblingsmärchen in diesem Wahlkampf: 500 Euro Miete sind genug. So für alles? Also auch die Häuser der Parteigranden? Auch für das Loft im Ersten? Egal, einfach mal hinrotzen, die meisten werden schon nicken. Je schwammiger man vorher faselt, um so weniger kann man hinter auf irgendwas festgelegt werden.

Ach ja, der Grinsefuchs da ist gute Herr Landbauer, hauptsächlich bekannt geworden dadurch, dass er seit 17 Jahren (derzeit ruhend) in einer Burschenschaft ist, die in ihrem Liederbuch so ziemlich jedes noch so widerwärtige Nazi-Klischee bedienen. Nähere dazu im Falter (A).

Die Jugendorganisation der FPÖ, die FJ (wirklich! die heißen so!) war natürlich auch im Wahlkamp aktiv, bei deren Beiträgen ist allerdings jegliches Schamgefühl schon den Bach herunter gegangen:

Das Posting selber findet sich zwar nicht mehr auf deren Webseite, seine Authentizität scheint aber gesichert zu sein (A).

2. Die ÖVP, die gerne wieder zwei Klassen einführen möchte, die eine, die was nutzt und der es besser gehen soll, und die andere, die wirtschaftlich nichts mehr bringt und der es entsprechend schlechter gehen sollte, Vorschlag: Eine Klasse könnte man wie bei Marc-Uwe Kling in Qualityland „Die Nutzlosen“ nennen.

Der Rest ihrer Plakate beschränkt sich in meiner Wahrnehmung auf Gesichter mit dem wirklich bedeutenden Sloagen „wir XüberO  18“

3. Die SPÖ. Also, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, die haben auch Qualityland gelesen und sich da für die Rolle der „Oppositionspartei“ entschieden. Anders kann ich mir die Werbekampagne „Clownerei, sei dabei!“ nicht erklären.

Ich denke, sie hätten statt die-zweite-meinung.at auch gleich die-zweite-geige.at als Webseite reservieren können.


Tja, alles recht überzeugend, finde ich. Ich habe hier in meiner Umgebung keine anderen Parteien wahrgenommen, ich bin mir nicht sicher, ob die überhaupt noch mitspielen. Es gibt ja den Spruch „Es kann der beste König nicht ordentlich regieren, wenn die Untertanen von minderer Qualität beschaffen sind. “ Hat mir mein Meister in der Ausbildung immer gesagt, ich weiß auch nicht genau, warum. Wie dem auch sei. Ich denke, hier kann man den auch umdrehen: „Es kann sich das beste Volk nicht ordentlich regieren lassen, wenn die Könige von minderer Qualität beschaffen sind.“

In diesem Sinne, wenn Ihr dürft, geht morgen wählen und schaut euch vorher mal an, was es da an Alternativen gibt, ich sehe da nur die Grünen oder die Neos, die irgendwie akzeptabel sind.

 

PS: Ach ja, liebe Badener, wenn Ihr denkt: „Ach, den Marschall kenne ich auch nicht, ich nehme den, was soll schon passieren.“ Dann würde ich sagen: Vieles. Neben der Gründung der EU-Austrittspartei hat er auch noch rund um die Wahl zum Bundespräsidenten rumgekaspert. Die grundlegende Richtung erkennt ihr, wenn Ihr auf seiner Webseite lest, was er am 02.09. letzten Jahres gemacht hat. Da hat er in Wien die U1 verlängert. Unter der Überschrift „2.9.2017: U-Bahn U1-Verlängerung durch Mag. Robert Marschall“ verlinkt er auf einen „Bericht“ der Postille Wien Konkret, die dann festhalten, dass er auch in der UBahn (gemeinsam mit dem  einfachen Volk, wie er sagt) war, als die das erste Mal diese Strecke gefahren ist. Diese Postille gehört ihm selber. Also: Grüne oder Neos. Sorry.

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April 2

Kritisches Denken

Mein Lieblingszitat zu dem Thema Kritik ist immer noch folgendes:

Criticism may not be agreeable, but it is necessary.

It fulfils the same function as pain in the human body.

It calls attention to an unhealthy state of things.Sir Winston Churchill

Da mich das Thema schon seit -zig Jahren interessiert, neige ich dazu, auf fast alles zu klicken, was dazu durch meine Filterblase fliegt. So bin ich auch auf Psiram auf diesen interessanten Beitrag im NEUROLOGICALblog der New England Sceptical Society gestossen: „The Need for Ctritical Thinking„.

Moneyquote:

My point here is that (after the basics like reading) teaching critical thinking skills would probably be the most useful thing to teach students. Critical thinking is a skill and a habit that will stick with them for life, and be endlessly useful. Critical thinking should have an extremely high priority in education, at every level, much higher than it has now.Steven Novella, NEUROLOGICAblog

Genau das. Wenn sich zum Beispiel die PegidAfDioten oder Trumpisten mal die Mühe machen würden, die Positionen ihre Idole kritisch zu hinterfragen, würden sie vermutlich die Substanzlosigkeit, Menschenfeindlichkeit und/oder Unfinanzierbarkeit vieler Punkte durchschauen. Egal, ob man die zugrundeliegenden Positionen mag oder nicht, wenn man mal schaut, was diese Schwachstellen am Ende für Lösungen anbieten und diese mal genauer betrachtet, bricht der schöne Schein schnell zusammen.

Leider sind die rechten Demagogen wie Frau von Strolch, Bernd Höcke und Frau Kepetry oder auch St. Rache nicht so blöde wie ihre Anhänger, daher haben sie das Problem mit diesen unbequemen Hinterfragern und Kritikern früh erkannt. Der Narrativ der Lügenpresse, die Angriffe von Seiten der Presse im Vorfeld diskreditieren soll, spielt da genau so rein wie die Taktik, Sachthemen zu einem persönlichen Thema zu machen.

© erzählmirnix

Ich kann die Leute auf solchen Aufmärschen, die nicht interviewt werden wollen, verstehen, schließlich mag niemand bloßgestellt werden. Und bloßgestellt wird man schnell, wenn man einfach nur Sprechblasen und dumpfe, meinungsbasierte Hetze nachplappert. Natürlich kann man sich in einem Diskurs nicht verteidigen, wenn man sich in Wirklichkeit einen Scheiß auskennt und einfach nur die Gehirnwäsche der Hetzer auf dem Podium und ihrer Handlanger in den sozialen Medien nachplappert. Aber, wie bei anderen Themen auch, wird hier nicht die Verantwortung beim einzelnen Dampfplauderer oder bei denen, die ihm diesen Dampf in den Kopf gepustet haben, gesucht, sondern es werden diejenigen, die solche Positionen kritisch hinterfragen, als der Feind dargestellt.

Was sollte ein AfDler jemandem, der ihn mit der Absurdität von Schrödingers Bernd Höckes Asylantenbild (Ist ein arbeitsloser Sozialschmarotzer und gleichzeitig nimmt er den Doitschen ihre Arbeitsplätze weg) konfrontiert, auch sagen?

Schaut Euch die unerträglichen Geiferer an, die bei PegidAfD-Aufmärschen ihren Demagogen lauschen oder auf Fakebook und Twitter den vermeintlichen Gegner mit Hetze, Hass und Gewaltdrohungen überziehen. Das ist kein sachlicher Diskurs mehr, das ist schon lange auf einem persönlichen Level gelandet.

Ich schließe mich auch dem Schlußsatz des Artikels an:

But we also need to make sure this does not become a partisan issue. Teaching critical thinking cannot be seen as an attack against one tribe. Critical thinking is non-partisan. It is a universal skill that everyone should learn.Steven Novella

Ich denke, wenn mehr Leute mal gelernt (und nach der Schule auch weiterhin geübt) hätten, wie man sich mit einer Frage bzw. einem Thema kritisch beschäftigt, hätten die Populisten weniger Zulauf. Am Ende vom Tag gefährdet die Unfähigkeit, kritisch zu denken, auch die Demokratie, da eine Wahl nur funktioniert, wenn die Wahlberechtigten sich damit auseinandersetzen, was sie da wählen und in wie weit das, was die jeweiligen Kandidaten da versprechen, überhaupt machbar ist. Schaut Euch die Trump-Wahl an: Wer sich kritisch mit dem Programm des orangen Horrorclowns auseinandergesetzt hat, ist auf leere Phrasen und unrealisierbare oder unvernünftige Wunschvorstellungen gestoßen. Das scheint aber die Wähler nicht zu interessieren, mehr noch, eine Kritik an Trumpels gemeingefährlichen Aktionen nehmen sie persönlich.

Dieses persönlich-nehmen liegt meiner Meinung nach daran, dass mangels kritischer Reflexion auf der einen Seite und der Tatsache, dass eine verschissene Harmonie-Kultur in Firmen, Universitäten und im privaten Einzug gehalten hat, auf der anderen Seite, jegliche Kritik-Kultur den Bach runtergegangen ist. Wer heute zu viel Kritik übt, passt nicht mehr „in die Vision, die wir uns von unserer Firma haben“ (Grüße an die Gesichter aus den Führungsetagen: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!) oder in den Freundeskreis der Ja-Sager auf Fakebook. All die Safe-Space-Spinner und Harmonie-Süchtlinge werden sich umschauen, wenn die AfD-Pegidastapo vor der Tür steht und sie einlädt, sich doch mal in einem Erziehungslager die neuen Ideen der Höcke-Strolch-St. Rache-Führung anzuhören.

Abschließen möchte ich den vermutlich recht inkohärenten Beitrag heute mit dem Verweis auf einen Artikel von Dr. Nadja Hermann, die in ihrem wunderbaren Blog „erzählmirnix“ immer wieder Musterstücke für kritisches Denken postet: „AfD-Logik überwinden„, aus dem ich auch den Comic oben geklaut habe.

Schönen Sonntag!

PS: Kritisches Denken anzuregen ist übrigens einer der Gründe, warum ich Chaos macht Schule oder solche Veranstaltungen wie die Privacy Week unterstütze: Ich will, dass die Leute informiert werden und angeregt werden, selber ihren Umgang mit (digitalen) Medien zu hinterfragen, quasi mein Beitrag aus den Reihen der Partisanen.

PPS: Thema Safe Space: Am Anfang waren Safe Spaces dafür gedacht, einen sicheren Platz zu schaffen, in dem LBGT-Menschen nicht angefeindet werden und vor Hassrede etc. geschützt wurden. Diesen Gedanken finde ich richtig und wichtig! Ich finde es gut, wenn sich jeder an einem Diskurs beteiligen kann (so er das konstruktiv tun möchte), ohne dass er aufgrund seine sexuellen Ausrichtung, Identität etc. angegriffen wird. Was mir zu weit geht ist, wenn man bestimmte Themen nicht mehr diskutieren kann, weil jeder Idiot und sein Bruder für alles eine Trigger-Warnung braucht oder verstörende Inhalte gar nicht mehr besprochen werden, aus Angst, hinterher könne sich jemand beschweren. Wo, wenn nicht im Umfeld einer Bildungseinrichtung, sollte man denn den Umgang mit kontroversen Themen lernen? Beim AfD-Stammtisch? Auf Fakebook? Wenn ich mal Shaheen Pasha zitieren darf:

College is not a safe space. It was never intended to be. It is a place where debates can turn heated and ugly and the cruel realities of the world come crashing down on students, preparing them for the very real discourse they will face upon graduation. It is a time to grow out of the protective cocoon of childhood and face the fact that the world can be an unpleasant place.Shaheen Pasha, Assistant Professor M.S., Columbia University School of Journalism

Beim Safe Space geht es IMHO darum, dass jemand in einer Diskussion über das Schulfrühstück nicht wegen seiner Geschlechtsidentität, Hautfarbe, Religion oder sonstwas angegriffen wird, sondern nur sein Standpunkt in der Diskussion. Dennoch kann man eine Diskussion über solche Themen wie Religion etc. führen und man sollte auch die Möglichkeit haben, eine polarisierende Meinung zu vertreten.

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März 28

Parallelwelten kurz vorgestellt – Heute: David Sheldrick, 21, besorgt.

David Sheldrick ist besorgt. Sehr sogar. Er erwartet nicht viel vom Leben, wirklich nicht. Im Grunde will er nur Sicherheit. Ok, und ein Haus in der Nähe seines Arbeitsplatzes und zwei Autos. Leider auch Kinder. Auch wenn er die nur haben möchte, wenn er uns seine Ische ihre Jobs behalten können – das Risiko, dass sich die besorgten Gene von David verbreiten, besteht.

Wie dem auch sei. David ist 1995 geboren und zu doof, sich im Internet zurechtzufinden, was er daran festmacht, dass er mit seinem Handy nur arbeiten kann und es nicht schafft, „Bilder mit einem Filter hochzuladen“. David hat man nach zwölf Jahren Schule sein Abitur mehr oder weniger geschenkt, danach hat er an einer privaten FH seinen Bachelor im „International Business“ gemacht und war, wie es sich für ein vermutlich armes Arbeiterkind gehört, Mitglied in einer ebenso vermutlich rechten Studentenverbindung.

Derzeit ist sein Hauptproblem seine finanzielle Misere. Obwohl er und seine Frau beide sicher hart im „International Business“ arbeiten, werden sie zusammen mit lumpigen 5.000€ Netto im Monat abgespeist! Das reicht natürlich für nichts. „Auch die Aussicht, ein Haus kaufen zu können […] ist sehr gering. Wir können und nicht mal ein Auto kaufen.“ Und dabei bräuchte er sogar zwei!

Ganz klar, der Junge leidet und kann es nicht länger aushalten, dass die Leute gegen Globalisierung und Freihandelsabkommen sind und seine Kohle an irgendwelche Rentner verteilt wird, die gerade mal 63 sind. Also wird er sich politisch mal so richtig reinknien. Wenn jemand darauf wetten möchte, dass er sich einer sozialen/linken Partei anschliesst, schickt mit gerne Eure Wett-Angebote, ich persönlich habe da Bedenken, der besorgte David wird sich in seiner Ohnmacht wohl eher den anderen besorgten Bürgern wie Trixi von Strolch, Bernd Höcke und Frau Kepetry anschließen.

 

Link zum orginal Beitrag auf Zeit.de

 

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Januar 25

Tweet des Tages

Ich, jedes Mal so, wenn Firmen keine Webseite mehr haben sondern nur noch einen beschissenen Fakebook-Auftritt.

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