Mai 18

Quis custodiet ipsos custodes?

When you bring your knife to a gunfight…

„Alle fünfeinhalb Wochen wird in Deutschland ein Mensch von Polizisten erschossen.“ Das ist der Titel eines wirklich lesenswerten Dossiers der taz zum Thema lethale Gewalt durch die Polizei von Erik Peter und Svenja Bednarczyk.

Nur, dass wir uns gleich richtig verstehen: Weder ich noch der Artikel (zumindest lese ich ihn nicht so) wollen hier das Polizisten-sind-Mörder-Klischee bedienen. Der Punkt nach diesem Satz steht da und bleibt da.

Eine Frage in diesem Zusammenhang, dich mich beschäftigt und über die ich im privaten Rahmen auch schon viel diskutiert habe, ist, in wie weit Menschen, denen der Staat Schusswaffen in die Hand gibt, bessere Menschen sein sollten (müssen?) als andere. Eine der heftigsten Diskussionen drehte sich um zwei Fälle in Österreich. Einer, wo zwei Jugendliche in einen Supermarkt eingebrochen sind und dann der Polizei mit „Schraubenzieher und Spitzhacke bewaffnet“ in die Arme liefen, („bewaffnet“ war möglicherweise etwas geflunkert, wie sich hinterher rausstellte) was für einen 14-Jährigen tödlich endete sowie der zweite, wo die Wega einen Mann, der mit einem Messer bewaffnet war, mit 20 Schüssen hingerichtet hat. Ich schreibe hier absichtlich hingerichtet, weil es mir bis heute unvorstellbar scheint, wie acht Beamte einer Spezialeinheit, die sich in voller Kampfmontur sowie (auch) mit Tasern und Schlagstöcken bewaffnet einem(!) Verwirrten mit Messer gegenüber sehen, zu dem Entschluß kommen können, dass der 20 Schuß braucht, um keine Gefahr mehr für sie darzustellen.

Das richtige Mindset? Werbung der Schweizer Polizei

Mein Kumpel meinte damals, „dann hätten die halt nicht einbrechen oder mit einem Messer herumfuchteln sollen, dann wäre ihnen auch nichts passiert“. Bei solchen Ansagen geht mir das Geimpfte auf. Ich kann sie nur mit unreflektiertem Gerede entschulden, und so Stammtischgebrabbel brauche ich nicht. Diese Aussage wäre von mir aus richtig, wenn auf Supermarkteinbrüche oder Verwirrtsein ohnehin die Todesstrafe steht und wir hier auf den Philippinen unter Duterte wären. Sind wir aber nicht. Die Polizei ist die Instanz, die man ruft, wenn man sich quasi nicht mehr alleine helfen kann. Also, wenn mich wer verprügelt oder bei mir einbricht, rufe ich die Polzei, damit diese die Situation klärt und den/die Versursacher im Zweifelsfall der Rechtssprechung (Judikative) zuführt. Ich erwarte, dass die Beamten dafür ausgebildet und ausgerüstet sind.

Warum sollten Polizisten nun bessere Menschen sein als andere? Ganz einfach: Polizisten übernehmen in der Gesellschaft eine Aufgabe. Das macht auch mein Bäcker. Allerdings kann ich zu einem anderen Bäcker gehen, wenn der erste schlechtes Brot macht. Ich kann notfalls auch selber was backen oder ganz auf gebackene Produkte verzichten. Was ich nicht kann, ist mir eine andere Polizei zu suchen, weil die erste mich verkloppt hat. Was ich nicht kann, ist mich selber auszurüsten und zu bewaffnen, weil ich mich vielleicht mit der derzeitigen Polizei nicht so gut verstehe. Das will der Staat nicht und ich will das auch nicht, weil das Anarchie ist, und das ist nicht die Staatsform, in der ich leben möchte (auch wenn wir das tun, aber das ist ein anderes Thema und da geht es mehr um Geld.) Ich sehe mich also einer alternativlosen Instanz gegenüber, gegen die ich mich nicht wehren kann (nicht im akuten Moment, wen soll ich da anrufen, wenn mich die Polzie gerade beamtshandelt? Noch mehr Polizei? Die aus dem Nachbarland?) und die par ordre du mufti mit Waffen und Rüstung daher kommt.

Hier entsteht ein Ungleichgewicht der Kräfte zu meinen Ungunsten (und das soll im Normalfall ja auch so ein, wenn die Polizei schon für die Gesellschaft die Kohlen aus dem Feuer holen soll, braucht sie auch das Werkzeug dazu) und das bedeutet für mich ganz klar, dass der Stärkere auch der „Bessere“ sein muss. So wie wir als Erwachsene nicht mit Kindern rummachen, so sollten wir als Polizisten keine Wehrlosen oder zumindest deutlich Unterlegenen verkloppen oder erschießen. Letzteres sollte sowieso gar nicht gemacht werden und wenn, dann bedarf es tiefgreifender Untersuchungen, ob und wie das vermeidbar war oder nicht, mit Konsequenzen. Hier muss der Polizist, auch wenn das nicht einfach ist, der Reflektierte und Besonnene sein und so handeln. Das ist im Rahmen einer Demo sicher nicht einfach, aber das ist der Beruf, den er gewählt hat. Dafür muss er nicht als Risk-Manager oder Search-Engine-Optimizer sein Leben in der gesellschaftlichen Entbehrlichkeit fristen sondern macht einen Job, der für unser Zusammenleben wichtig ist. Dieser Job kommt halt mit einigen Pflichten, die meiner Meinung nach von der Gesellschaft eingefordert werden müssen.

269 Personen wurden von der Polizei im Beobachtungszeitraum erschossen, das waren die Verluste, die sie dabei erlitten hat. (Quelle)

Also, bitte mal in den erwähnten Artikel reinschauen, es lohnt sich wirklich. Ich habe keine Lösung für das Problem, aber ich denke, wir müssen uns dessen bewusst sein und dürfen als Gesellschaft nicht zulassen, dass hier amerikanische Verhältnisse einziehen. Diskussion gerne in den Kommentaren.

TL; DR:
Ich stehe auf dem Standpunkt, dass Polizeigewalt absolut unentschuldbar ist und bleibt. Sicher kann und wird es Notwehr-Situationen geben, keine Frage. Ein psychisch gestörter mit einem Messer jedoch kann wohl schwer eine solche für acht Sonderkommando-Superkrass-Harte-Typen darstellen. Genauso wenig entschuldbar finde ich, wenn auf Demos einzelne rausgepickt werden und dann beamtshandelt werden, bis das Blut spritzt. Egal, was die vorher gemacht haben. Exekutive ist nicht Judikative, und das sollte auch so bleiben.

Titel: „Quis custodiet ipsos custodes?“ – „Wer wird die Wächter selbst bewachen?“ Juvenal, Satire 6, 347 f. Wir auch gerne mit „Wer bewacht die Wächter“ übersetzt.

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April 17

I see the bad moon arising…

Ich würde mir wünschen, jedem, der in Westeuropa lebt, eine doppelte (oder nur die Türkische) Staatsbürgerschaft hat und mit „evet“ gestimmt hat, ggf. die Zweite wegzunehmen und ihn in die Türkei abzuschieben. Wer Scheiße säht, soll Scheiße ernten. Sich hier in Freiheit zu bewegen und anderen in seinem „Heimatland“ per Abstimmung eine Diktatur unter Erdolf Kurdenslayer (#IrrervomBosporos) zu verschaffen, ist einfach abartig.

© HoGeSa

Kommentar von Lenz Jacobsen in der Zeit: Der Tod der türkischen Republik.

 

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März 31

Mein Geld, meine Daten, meine Privatsphäre!

Wieder einmal gibt es Überlegungen in der EU, gegen das Bargeld vorzugehen. Ich bin ein strikter Gegner der Abschaffung des Bargeldes, eine kurze Erläuterung, warum, habe ich an die Umfrage gehängt, über die ich gleich noch was schreibe:

Ich bin der Meinung, dass eine weitere Einschränkung der Verwendungsmöglichkeiten von Bargeld einen erheblichen Eingriff in mein Recht auf informationelle Selbstbestimmung bedeutet. Ich möchte frei entscheiden können, ob ich beim Einkaufen dem Verkäufer meine Identität mitteilen möchte. Bereits heute verzichte ich auf Kundenkarten, Treueprogramme oder „Payback“-Karten, weil ich Angst vor Datenaggregatoren habe, die meine Einkaufsgewohnheiten sammeln, de-anonymisieren und dann meistbietend verkaufen. Dieses würde ad absurdum geführt, wenn ich stattdessen anhand meines digitalen Zahlungsmittels getrackt werden könnte.

Ich habe nichts gegen bestimmte Obergrenzen, so wie es sie auch heute schon gibt. Alles ab 10.000€ darf meinethalben digital erledigt werden müssen. Ich glaube allerdings fest daran, dass es weder gegen Terrorismus oder Geldwäsche bzw. Steuerhinterziehung hilft.

Terrorismus wird meiner Meinung nach weitgehend aus dem Ausland finanziert, wo solche Regeln entweder nicht existieren oder, wenn der Terror von größeren Organisatoren bzw. Staaten finanziert wird, die Regeln nicht angewendet werden.

Steuerhinterziehung und Geldwäsche wird meiner Meinung nach ebenfalls (zumindest in dem Rahmen, wo es wirklich spannend wird) von Personen mit Zugriff auf andere Ressourcen wie Anwälte, Stiftungen, Briefkastenfirmen etc. betrieben und wird daher durch eine Reduzierung des freien Bargeldverkehrs sicher wenig beeinträchtigt.

Auch wenn der Herr Tychi da spricht, über den ich mir derzeit keine abschließende Meinung gebildet habe, glaube ich, dass dieses Video einen recht interessanten Diskurs zu dem Theme beinhaltet:

(Man kommt an Tichy auch kaum vorbei, wenn man zu dem Thema Bargeldabschaffung Informationen sucht) Was in dem Video so gegen Mitte etwas durcheinander geworfen wird sind Negativzinsen und Inflation, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe:

Negativzinsen haben wir schon, auch wenn es vielleicht noch keine Privatsparer betrifft. Das bedeutet, ich legen 1.000 Euro auf die Bank und habe, nehmen wir mal -0,5% Zinsen an, nach einem Jahr entsprechend nur noch 995€ auf dem Konto. Das kann mir bei Bargeld nicht passieren, das wird höchsten geklaut oder verbrennt bei einem Luftschiffunglück über dem Footballstadion am Neujahrstag, aber es wird von alleine nicht weniger (oder mehr, wenn wir mal eine positivere Zinsentwicklung annehmen).

Inflation heißt, ich habe am Anfang des Jahres 100 Euro und bekomme dafür eine bestimmte Menge Waren, sagen wir der Einfachheit halber, ich bekomme dafür 100 Becher Kaffee beim Spar. Nun setzt die Inflation ein, sagen wir mal ganz reißerisch mit 5% und nehmen an, dass sich die Preise immer live anpassen (in Wirklichkeit passiert das natürlich Schrittweise und wir haben in DACH derzeit eine Inflation zwischen -0,43% (CH) und +0,93% (A)). Damit bekomme ich jedenfalls nach einem Jahr für 100€ nur noch 95,2 Kaffees, und zwar unabhängig davon, ob ich die bar oder mit Karte bezahle. Also: Inflation ist nicht das selbe wie Negativzinsen.

Was auch in dem Video irgendwie nicht angesprochen wird: Bargeldloses bezahlen ist nicht gratis, sondern kostet Geld! Auch hier gilt die goldene Regel „Cui Bono?“, wenn man sich anschaut, wer denn die Abschaffung des Bargeldes betreibt: Neben ganz wenigen Verstrahlten, die das aus Überzeungung betreiben, gibt es meiner Meinung nach zwei Gruppen, die hier lobbyieren. Die stärkste Gruppe sind natürlich alle, die an den Daten interessiert sind, seien es Behörden, die hoffen, Steuerhinterziehungen in den Griff zu bekommen oder Datenaggregatoren, die gerne anhand meiner Einkaufsgewohnheiten wissen wollen, ob sie mir die günstige Krankenversicherung noch anbieten wollen oder lieber keine/eine teurere. Die zweite, vermutlich etwas schwächere Gruppe, sind die, die damit mittelbar Geld verdienen: Payment-Provider, seien es jetzt Kreditkarten-Anbieter, Banken oder auch so Fraktionen wie PayPal. Die nehmen Gebühren fürs Abwickeln, je mehr vom Zahlungsverkehr über sie läuft, je mehr schneiden sie mit. Dass sie die Daten dann noch verhökern, ist quasi das Topping auf dem Eis.

Alles in allem ist das Beschneiden des Bargelverkehrs unterhalb eines sinnvollen Betrages ein reiner Angriff auf meine Datensouveränität, da ich dann im Grunde nichts mehr kaufen kann, ohne, dass mehrere Parteien davon in Kenntniss gesetzt werden, angefangen vom Verkäufer über den Payment-Provider bis zu meiner Bank, und da sind noch nicht alle die eingerechnet, die diese Daten dann später kaufen und weiterverbreiten.

Gerade ist die EU dabei, die Bürger zu befragen, was sie denn so im groben davon halten. Diese Umfrage ist in Deutsch, dauert keine zehn Minuten und ist hier zu finden: KONSULTATION – EU-Initiative zu Beschränkungen für Barzahlungen (Falls Ihr es super eilig habt, hier ein direkter Link zur Umfrage)

Macht da mit! Egal, ob Ihr meiner Meinung seit oder nicht. Wer seine Meinung nicht sagt, darf sich nachher nicht wundern, wenn keiner sich danach richtet!

Leider sind sowohl die Risiko- und Folgenabschätzung als auch die Consultation Strategy in Englisch, aber die Rahmeninformationen, die auf der Webseite und in der Umfrage gegeben werden, reichen aus, damit man weiß, dass man bei der richtigen Umfrage ist 😉 (Und informieren und seine Meinung bilden sollte man eh vorher erledigt haben).

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März 4

Was mache ich mit meinem Smartphone, wenn ich in einen Überwachungsstaat einreise?

Vice hat einen Artikel dazu geschrieben und ein Video gedreht:

Leider kann ich das Video nicht vernünftig(er) einbinden, aber mit dem Twitter-Gelöt sollte es dennoch gehen.

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März 3

Wenn Sie das gelesen und verstanden haben, klicken Sie auf OK

Vor Jahren… vielen Jahren.. habe ich mal einen CAD-Kurs besucht. In diesem Kurs wurde DOGS verwendet (hier hat jemand die 5 1/4″-Disketten-Version ausgegraben, ich bilde mir ein, ich hätte meine Version damals(tm) sogar schon auf 3,5″-Disketten bekommen). *soifz*… wie dem auch sei: Was mir an diesem Programm in Erinnerung geblieben ist, ist der Text am Ende einiger Fehlermeldungen:

Wenn Sie diese Meldung gelesen und verstanden haben, klicken Sie auf OK.DOGS

Ich weiß noch, wie ich mich damals darüber gefreut habe 🙂 Jetzt, lumpige *hust*25*hust* Jahre später, wurde ich durch einen Artikel, der auf Twitter an mir vorbeirauschte, wieder daran erinnert.

In diesem Artikel geht es um eine Norwegische Webseite, die versucht, ihre Kommentarkultur auf einem gewissen Niveau zu halten. Die Webseite NRKbeta richtet sich an Techies bzw. handelt es sich sozusagen um die Technik-Rubrik der Staatlichen Rundfunkanstalt NRK. Normalerweise haben sie das Problem nicht, dass ihr Kommentare sich in Richtung Fakebook- oder Youtube-Niveau bewegen würden. Anders wird das wohl dann, wenn Artikel von ihnen auch auf der Startseite der NRK verlinkt werden, dann schwemmt es haufenweise besagte Fakebooker in ihre Richtung und die toben sich dann in altbekannter Manier in den Kommentaren aus. (Dramatisierte Schilderung). Was sie nun, vorerst im Beta-Test gemacht haben, ist, einen Multiple-Choice-Test quasi vor die Kommentarfunktion zu setzen. Sie wollen damit sicherstellen, dass der klassischen Wutbürger mit Schnappatmung den Artikel auch liest, bevor er seinen Senf dazu abgibt. Begonnen hat das wohl in einem Artikel über neue Gesetze zur Überwachung von Internet-Verkehr. (Das scheint auch die einfache Fassung zu sein, wenig Text, viele Bilder…)

Wenn man nun am Ende des Artikels kommentieren möchte, stößt man auf folgendes:

Google-Translated, daher evtl. sinnbefreit.

Hier geht es jetzt nicht darum, nur Experten zuzulassen, was dann wohl auch gegen Free-Speech und so verstoßen würde, sondern nur ums sinn-erfassende Lesen (Hah! PegidAfD-Gelumpe kann man damit also doch ausschließen!). Alle Fragen werden im Artikel auch beantwortet. Sie sagen, dass es zwei Gründe hat:

We thought we should do our part to try and make sure that people are on the same page before they comment. If everyone can agree that this is what the article says, then they have a much better basis for commenting on it.Ståle Grut @stalebg

und

If you spend 15 seconds on it, those are maybe 15 seconds that take the edge off the rant mode when people are commenting,Marius Arnesen @anarkistix

Ich finde den ersten Punkt wichtiger als den zweiten, aber beide valide. Was mich seitdem nicht mehr loslässt ist der Gedanke, dass so ein System ideal für Volksabstimmungen wäre. Nur wer vorher ein paar Verständnisfragen beantworten kann, darf auch abstimmen.

Das Konzept einer Demokratie setzt meiner Meinung nach voraus, das informierte Bürger sich für oder gegen etwas entscheiden bzw. etwas wählen können. Hier liegt der Hund begraben. „Informierte“ Bürger. Wenn man Interviews mit Trump-Wählern oder den Fans von Bernd Höcke und Frau Kepetry sieht, drängt sich schon der Eindruck auf, dass es hier mit dem Informiert-Sein nicht so weit her ist.

Mit so einer Vorabfrage bekommt man vielleicht keine besseren Ergebnisse, aber man könnte damit so etwas wie die Nummer nach dem Brxit-Votum verhindern, wo die Leute nachdem die Wahlergebnisse bekannt wurden, angefangen haben, mal zu googeln, um was es da eigentlich ging. Ich fände das gut. Man einigt sich auf eine sachliche Information zu dem Thema, die liegt auch in der Wahlkabine auf. Der Computer spuckt den Wahlzettel zum händischen Ausfüllen (ja, eh, Wahlcomputer stinken) nur aus, nachdem der Bürger seine Informiertheit bewiesen hat. Wo die FPÖ bzw. die AfD über 10% gekommen ist, kann man ja dann noch die Option einbauen, dass die Muppets einem was zum Thema vorsingen oder so. Multimedia zur Inklusion von Nazis muss ja nichts schlechtes sein, man hat ja auch einen Bildungsauftrag.


Hier sucht übrigens wer noch nach der Software DOGS.

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Februar 28

AfD-Sucht bei Bloggern/mir?

Schlecky Silberstein hat einen lesenswerten Beitrag zur Frage, ob man über die Provokationen der Arschkrampen für Doitschland überhaupt berichten soll. Diese Fragestellung gibt es schon lange, ich kenne sie im Zusammenhang mit Selbstmorden (nicht berichten, um keine Nachahmer zu erzeugen) und auch Terror (Aufmerksamkeit in den Medien ist das Ziel der Terroristen). Auch stellen sich Linke normale Leute die Frage, ob man mit Nazis oder Rechten Überzeugungstätern überhaupt öffentlich diskutieren sollte, oder ob man sie damit nur validiert, also ihren Schwachsinn dadurch, dass man ihn für diskutabel hält, aufwertet. Ich glaube, mit bestimmten Leuten kann man nicht diskutieren.  In der taz vom 24.02. war ein Interview mit Mohamed Amjahid, einem Reporter des Zeit Magazins. Er wurde über sein Buch „Unter Weißen“ befragt, und an einer Stelle ging es darum, dass in einer seiner Lesungen ein Reporter des rechtspopulistischen Blattes Compact saß und wie er damit umgehe. Seine Antwort:

Konkret in diesem Fall: ignorieren. Man kann nicht mit jemandem diskutieren, der mich, meinen Körper, mich als Menschen ablehnt. Es kann keine Diskussion geben, wenn jemand sagt: Pack deine Sachen und geh nach Hause.MOHAMED AMJAHID

Ich sehe das ähnlich, also was die Frage angeht, ob man mit echten Nazis noch diskutieren sollte. Mittlerweile denke ich aber auch, das man versuchen sollte, die „angebräunten“ Unentschlossenen mit Argumenten zu versorgen, die vielleicht auch mal eine andere Seite zeigen, als die der AfDemagogen. Ob man dazu auf die Provokationen besagter Demagogen reagieren soll, auch wenn es nur sei, um sie zu widerlegen, habe ich für mich noch nicht abschließend beschlossen. Ich fühle auf jedem Fall mit Schlecky und sehe sein Video als guten Denkanstoß:

 

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Februar 14

Trump vs. Truth: Last Week Tonight with John Oliver (HBO)

Das Video ist wirklich großartig!

Hier ein paar Anmerkungen:

#45 spricht bei 5:17 von einem „GDP below Zero“. Das ist, wie Oliver richtig bemerkt, so gut wie unmöglich. Ich vermute, #45 hat irgendwo die Grafik gesehen, dass das der Zuwachs des GDP unter Obama zu ersten Mal nicht gewachsen sondern geschrumpft ist. Das steht auch auf der Homepage der Weltbank so zu lesen. Dort kann man sehen, dass das auch 1974, 1975, 1980, 1982 und 1991 so war und nicht nur 2008 und 2009. Schaut man sich das tatsächliche GDP (Gross Domestic Product, Bruttoinlandsprodukt) an, sieht man, dass es 2008 und 2009 zwar nicht gewachsen ist, aber mit 14.719 und 14.419 Mrd. US-Dollar durchaus nicht negativ war.

Ab 7:37 spricht Oliver von „Nuclear Triad“. Er kommt zwar später darauf zu sprechen, was das ist, aber nur kurz in einem Werbespot, den er #45 zeigen will, indem er ihn auf den Sendern bucht, die #45 anscheinend regelmäßig schaut. Nuclear Triad ist das Konzept, sein Atomwaffenarsenal so aufzuteilen, dass der Gegner bei einem Angriff nicht alle zerstören kann und damit noch die Möglichkeit eines Vergeltungsschlages besteht, was die Abschreckung erhöhen soll. Ich habe nur einen englischen Wikipedia-Artikel gefunden, aber im Grunde geht es um Atomwaffen in Form von Interkontinental-Raketen, Fliegerbomben und als Raketen, die von U-Booten abgeschossen werden.

Ab 8:20 geht es darum, das #45 sein Briefing offensichtlich über morgendliche Fernsehprogramm bekommt. Fefe hatte da im Januar schon mal auf diesen Artikel in der Washington Post verlinkt, die einen Zusammenhang zwischen #45’s Tweets und dem Programm einiger Sender hergestellt haben. So sad. But true.

10:40 kommen ein paar Stories von der Naziplattform Breitbart-News. Falls jemand glaubt, das wären gefälschte Titel: Nope.

Achtung, Nazi-Propaganda-Links ahead:

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Februar 5

Das Wort zum Sonntag – Trumpel vs. Migranten

When he first announced it, he said ‘Muslim ban.’ He called me up. He said, ‘Put a commission together. Show me the right way to do it legally.’”Rudy Giliani

Das Trumpeltier ist derzeit mit seinem „Moslem-Bann“ in allen Nachrichten. Er hat Einreisebeschränkungen und mehr gegen sieben Länder mit überwiegend islamischer Bevölkerung verhängt, einige Menschen sind im Transit gestrandet, nette Leute demonstrieren dagegen, die Presse ist voll mit traurigen Geschichten und betroffenen Gesichtern.

Dieses Vorgeplänkel nur, um den Rahmen für das Folgende zu setzen, wenn das hier jemand irgendwann später ohne Kontext liest (oder überhaupt).

Ich denke, wir können es als etabliert ansehen, dass das eine weitere Scheiß-Idee von dem ohnehin nicht mit besonders duften Eingebungen gesegneten Trumpel ist.

Aber: Trumpel wollte meiner Meinung nach nie irgendwelche „Gefährder“ aus seinem Land fernhalten sondern „lediglich“ seine Wahlkampfversprechen gegenüber seinen Wählern umsetzen und nebenbei noch mal zeigen, wo und gegen wen der Kreuzzug gehen wird. Warum ich das glaube? Schauen wir mal auf diese kleine Übersicht:

via Fefe/Imgur/ironophile

Klingt komisch, ist aber so.

Wenn man sich das Video anschaut, das bei diesem Beitrag am Anfang eingebettet ist, bekommt man einen guten Eindruck davon, wie die Entourage vom Trumpeltier so drauf ist und was für Leute ihm da einflüstern. Mein Fresse O.O Lesen Sie weiter

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