Mai 18

Quis custodiet ipsos custodes?

When you bring your knife to a gunfight…

„Alle fünfeinhalb Wochen wird in Deutschland ein Mensch von Polizisten erschossen.“ Das ist der Titel eines wirklich lesenswerten Dossiers der taz zum Thema lethale Gewalt durch die Polizei von Erik Peter und Svenja Bednarczyk.

Nur, dass wir uns gleich richtig verstehen: Weder ich noch der Artikel (zumindest lese ich ihn nicht so) wollen hier das Polizisten-sind-Mörder-Klischee bedienen. Der Punkt nach diesem Satz steht da und bleibt da.

Eine Frage in diesem Zusammenhang, dich mich beschäftigt und über die ich im privaten Rahmen auch schon viel diskutiert habe, ist, in wie weit Menschen, denen der Staat Schusswaffen in die Hand gibt, bessere Menschen sein sollten (müssen?) als andere. Eine der heftigsten Diskussionen drehte sich um zwei Fälle in Österreich. Einer, wo zwei Jugendliche in einen Supermarkt eingebrochen sind und dann der Polizei mit „Schraubenzieher und Spitzhacke bewaffnet“ in die Arme liefen, („bewaffnet“ war möglicherweise etwas geflunkert, wie sich hinterher rausstellte) was für einen 14-Jährigen tödlich endete sowie der zweite, wo die Wega einen Mann, der mit einem Messer bewaffnet war, mit 20 Schüssen hingerichtet hat. Ich schreibe hier absichtlich hingerichtet, weil es mir bis heute unvorstellbar scheint, wie acht Beamte einer Spezialeinheit, die sich in voller Kampfmontur sowie (auch) mit Tasern und Schlagstöcken bewaffnet einem(!) Verwirrten mit Messer gegenüber sehen, zu dem Entschluß kommen können, dass der 20 Schuß braucht, um keine Gefahr mehr für sie darzustellen.

Das richtige Mindset? Werbung der Schweizer Polizei

Mein Kumpel meinte damals, „dann hätten die halt nicht einbrechen oder mit einem Messer herumfuchteln sollen, dann wäre ihnen auch nichts passiert“. Bei solchen Ansagen geht mir das Geimpfte auf. Ich kann sie nur mit unreflektiertem Gerede entschulden, und so Stammtischgebrabbel brauche ich nicht. Diese Aussage wäre von mir aus richtig, wenn auf Supermarkteinbrüche oder Verwirrtsein ohnehin die Todesstrafe steht und wir hier auf den Philippinen unter Duterte wären. Sind wir aber nicht. Die Polizei ist die Instanz, die man ruft, wenn man sich quasi nicht mehr alleine helfen kann. Also, wenn mich wer verprügelt oder bei mir einbricht, rufe ich die Polzei, damit diese die Situation klärt und den/die Versursacher im Zweifelsfall der Rechtssprechung (Judikative) zuführt. Ich erwarte, dass die Beamten dafür ausgebildet und ausgerüstet sind.

Warum sollten Polizisten nun bessere Menschen sein als andere? Ganz einfach: Polizisten übernehmen in der Gesellschaft eine Aufgabe. Das macht auch mein Bäcker. Allerdings kann ich zu einem anderen Bäcker gehen, wenn der erste schlechtes Brot macht. Ich kann notfalls auch selber was backen oder ganz auf gebackene Produkte verzichten. Was ich nicht kann, ist mir eine andere Polizei zu suchen, weil die erste mich verkloppt hat. Was ich nicht kann, ist mich selber auszurüsten und zu bewaffnen, weil ich mich vielleicht mit der derzeitigen Polizei nicht so gut verstehe. Das will der Staat nicht und ich will das auch nicht, weil das Anarchie ist, und das ist nicht die Staatsform, in der ich leben möchte (auch wenn wir das tun, aber das ist ein anderes Thema und da geht es mehr um Geld.) Ich sehe mich also einer alternativlosen Instanz gegenüber, gegen die ich mich nicht wehren kann (nicht im akuten Moment, wen soll ich da anrufen, wenn mich die Polzie gerade beamtshandelt? Noch mehr Polizei? Die aus dem Nachbarland?) und die par ordre du mufti mit Waffen und Rüstung daher kommt.

Hier entsteht ein Ungleichgewicht der Kräfte zu meinen Ungunsten (und das soll im Normalfall ja auch so ein, wenn die Polizei schon für die Gesellschaft die Kohlen aus dem Feuer holen soll, braucht sie auch das Werkzeug dazu) und das bedeutet für mich ganz klar, dass der Stärkere auch der „Bessere“ sein muss. So wie wir als Erwachsene nicht mit Kindern rummachen, so sollten wir als Polizisten keine Wehrlosen oder zumindest deutlich Unterlegenen verkloppen oder erschießen. Letzteres sollte sowieso gar nicht gemacht werden und wenn, dann bedarf es tiefgreifender Untersuchungen, ob und wie das vermeidbar war oder nicht, mit Konsequenzen. Hier muss der Polizist, auch wenn das nicht einfach ist, der Reflektierte und Besonnene sein und so handeln. Das ist im Rahmen einer Demo sicher nicht einfach, aber das ist der Beruf, den er gewählt hat. Dafür muss er nicht als Risk-Manager oder Search-Engine-Optimizer sein Leben in der gesellschaftlichen Entbehrlichkeit fristen sondern macht einen Job, der für unser Zusammenleben wichtig ist. Dieser Job kommt halt mit einigen Pflichten, die meiner Meinung nach von der Gesellschaft eingefordert werden müssen.

269 Personen wurden von der Polizei im Beobachtungszeitraum erschossen, das waren die Verluste, die sie dabei erlitten hat. (Quelle)

Also, bitte mal in den erwähnten Artikel reinschauen, es lohnt sich wirklich. Ich habe keine Lösung für das Problem, aber ich denke, wir müssen uns dessen bewusst sein und dürfen als Gesellschaft nicht zulassen, dass hier amerikanische Verhältnisse einziehen. Diskussion gerne in den Kommentaren.

TL; DR:
Ich stehe auf dem Standpunkt, dass Polizeigewalt absolut unentschuldbar ist und bleibt. Sicher kann und wird es Notwehr-Situationen geben, keine Frage. Ein psychisch gestörter mit einem Messer jedoch kann wohl schwer eine solche für acht Sonderkommando-Superkrass-Harte-Typen darstellen. Genauso wenig entschuldbar finde ich, wenn auf Demos einzelne rausgepickt werden und dann beamtshandelt werden, bis das Blut spritzt. Egal, was die vorher gemacht haben. Exekutive ist nicht Judikative, und das sollte auch so bleiben.

Titel: „Quis custodiet ipsos custodes?“ – „Wer wird die Wächter selbst bewachen?“ Juvenal, Satire 6, 347 f. Wir auch gerne mit „Wer bewacht die Wächter“ übersetzt.

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April 17

I see the bad moon arising…

Ich würde mir wünschen, jedem, der in Westeuropa lebt, eine doppelte (oder nur die Türkische) Staatsbürgerschaft hat und mit „evet“ gestimmt hat, ggf. die Zweite wegzunehmen und ihn in die Türkei abzuschieben. Wer Scheiße säht, soll Scheiße ernten. Sich hier in Freiheit zu bewegen und anderen in seinem „Heimatland“ per Abstimmung eine Diktatur unter Erdolf Kurdenslayer (#IrrervomBosporos) zu verschaffen, ist einfach abartig.

© HoGeSa

Kommentar von Lenz Jacobsen in der Zeit: Der Tod der türkischen Republik.

 

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April 7

Der Gesundheitsminister warnt: Rauchen gefährdet ihre Gesundheit!

Ich weiß nicht, wer der größere Wixer ist: Die Fleischmütze, die sich schön von hinten ranmacht und dann mit dem Schlagstock draufhält oder der, der ihm ohne viel Hemmungen die Fresse poliert. Hemmungslos ist hier eh der richtige Begriff. Erstaunlich, wie viele „Kollegen“ da im Umfeld sind und keiner fühlt sich berufen, einzugreifen (ausser, um mit draufzuhauen). Die einzige Sorge der Polizistin scheint zu sein, dass jemand ihre Kollegen filmt, und nicht, dass sie gerade versuchen, einen Mann zum Krüppel zu schlagen.

Der Beamtshandelte mit der „festnahmebedingten Unordnung im Gesicht“

Leider werden die übereifrigen Freunde & Helfer mit wenig Folgen rechnen müssen, wie in einem Beitrag auf Fakebook schön erläutert wird. „Kein Freund, kein Helfer – Polizeigewalt in Deutschland“ (A). (Normal würde ich nicht Fakebook zitieren, aber die haben ordentlichen Quellenangaben und alles, vermutlich haben sie sich bei der Plattformsuche verlaufen 😉 )

Da hilft auch alles „entsetzt sein“ der Führungsmannschaft oder der Politiker nichts. Wenn man in einer normalen Firma so eine Nummer abzieht, geht man fristlos, da kann man dan hinterher auf Wiedereinstellung klagen, wenn sich das Video als Fake herausstellen sollte. Bei der Rennleitung wird man in den Innendienst versetzt, wo mann dann, vermutlich bei vollen Bezügen, Papierkram erledigt.

Übrigens: Immer fleissig filmen, wenn die Rennleitung amtshandelt! Die Freunde und Helfer hatte der StZ vorher nämlich folgendes Berichtet:

Zunächst kam es jedoch zu einer verbalen Auseinandersetzung zu einer Tätlichkeit seitens des 35-Jährigen gegenüber einem 28 Jahre alten Polizeibeamten. Im Verlauf der Auseinandersetzung stürzten beide und der Beamte schlug mit dem Kopf auf dem Bordstein auf. Dieser erlitt hierbei leichte Verletzungen und konnte das Krankenhaus wieder im Laufe des Vormittags verlassen. Gegen den 35-Jährigen werden nun wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte die Ermittlungen aufgenommen.Stuttgarter Zeitung / Polizei

PS: Quelle für das SEK Zitat: „Dann gelte der alte Polizeikodex der „festnahmebedingten Unordnung im Gesicht“ – natürlich alles streng nach Recht und Gesetz.“

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März 18

Mein Schatzssssss…..

Diese Bilder flogen vor zwei Jahren mal durch meine Filterblase mit dem Titel „Children From Around the World With Their Most Prized Possessions“ und damals wie heute halte ich diese Bilder für ebenso schön wie melancholisch:

Wie dem auch sei, ich frage mich manchmal, ob ich so Leute, die zum Beispiel gegen Flüchtlinge sind und meinen, die sollen alle im Meer verrecken oder in ihren zerbombten Städten bleiben, beneiden soll, weil in deren Kopf offensichtlich solche Bilder nicht hängen bleiben oder zumindest keine Empathie auslösen.

Ich kann so ein Bild nicht ansehen, ohne mir Gedanken zu machen, wie das Leben rundherum wohl aussehen mag.

Wie es Eltern gehen muss, die ihrem Kind gerne mehr bieten würden und nicht mal selber das nötigste haben. Wie ich selber handeln würde. Natürlich würde ich auch versuchen, irgendwas zu machen, in ein Land zu kommen, wo es nicht so scheiße ist (wenn ich in all dem Elend nicht schon aufgegeben hätte, aber mit Kindern ist das vermutlich anders).

Aber was, wenn man dann dort beschimpft wird, nicht arbeiten darf und dann, begleitet vom Gejohle des widerwärtigen PegidAfd-Mobs, in ein Flugzeug „nach Hause“ gesetzt wird? Andersrum: Wie kann man sehen, dass so etwas passiert, wie kann man wissen, dass Menschen leiden und sterben und dann solche Fickgesichter wie Bernd Höcke, Frau Kepetry, Hatsche Schtratsche oder diese Nachgeburt Grunz Wilders wählen, die sich für Herrenmenschen halten und selber in Wirklichkeit zum Bodensatz der Menschheit gehören?

There is no sin so great as ignorance. Remember this.Rudyard Kipling

 

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Februar 26

Das Wort zum Sonntag: Lupus est homo homini

Flüchtlingssterben im Mittelmeer – Danke, EU!

Es gibt einen Podcast von Metrolaut zum Thema Seenotrettung im Mittelmeer. Dieser Podcast dauert ein bisschen über zwei Stunden und ich kann ihn mehr als empfehlen. Oder auch nicht, wenn ihr nicht an der Frage verzweifeln wollt, warum Menschen aus politischen und monetären Gründen nicht nur in Kauf nehmen, das tausende anderer Menschen leiden und sterben, sondern das auch noch aktiv fördern.

Andererseits sagt auch der gute Dr. Thomas de Maizière in einem Interview: „Trotzdem: Auch wenn wir jetzt einige Wochen ein paar harte Bilder aushalten müssen, unser Ansatz ist richtig.“ In dem Interview ging es um den sogenannten Türkei-Deal. Dieser „Deal“ mit Erdolf Kurdenslayer ist zwar nur ein Teil der Aktionen, die Europäische Länder setzen, um die „Asylantenfrage“ einer „Endlösung“ zuzuführen, aber ich denke, er meinte auch solche Bilder:

(c) dpa / svz.de

oder sowas:

(c) SeaWatch

Ja, wenn man so in seinem Büro sitzt oder gemütlich zu Hause auf dem Sofa, oder gar bei einem leckeren Essen in einem schönen Restaurant, dann „muss man diese harten Bilder mal aushalten“. Wir wollen ja schließlich nicht, dass dieses Asylantenpack uns alles das wegnimmt, das schöne Büro, das bequeme Sofa und so weiter, nicht wahr? Oder das gar jemand von dem PegidAfD-Gelumpe uns nicht wählt, nur mal als Beispiel.

Zitat aus dem Podcast bei 39:38 „Jeder, der an dieser Europäischen Grenze stirbt, ist ein politisch gewollter Toter. So ist das.“ Diesen Satz von Ruben Neugebauer von Seawatch muss man erst mal sacken lassen. Ich möchte Euch den oben angesprochenen Podcast ebenso ans Herz legen wie die Webseite von SeaWatch, guter Startpunkt sind dort die 10 tragischsten Momente 2016, danach kann man eigentlich direkt auf die Spendenseite weiterklicken.

Für alle, die irgendwie keine zwei Stunden für den Podcast haben und auch lieber was mit bewegten Bildern sehen, kann ich diesen Beitrag von DemocracyNOW! empfehlen. Das ist ein Interview ebenfalls mit Ruben Neugebauer, der (auch) noch mal erklärt, warum man solche Bilder wie die da oben zeigen muss.

Because the european society has to acknowledge that kind of picture, because this picture is a result of our policy. It’s a result of the policy to shut down borders and to force people onto that boat. The European Union is using the Mediterranean Sea as its castle ditch (Burggraben) filling it up with dead bodies to scare of those who might come after them.Ruben Neugebauer

Bei 22:25 in dem Video kommt auch mal ein Flüchtling zu Wort, der erklärt, warum er das Risiko auf sich nimmt: „Wenn ich in meinem Land bleibe, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich sterbe, 100%. Wenn ich das hier versuche, vielleicht nur 50%“.

Genug Geschreibsel von mir für Heute. Also: Hört den Podcast, schaut das Video, spendet was, wenn ihr könnt! Für Hintergrundinformationen sei noch dieser Beitrag der Zeit empfohlen, der die Flüchtlingsrouten im April 2016 betrachtet (wirklich schön aufgearbeitet!)

Schönen Sonntag!

PS: Überschrift: Das ganze Zitat aus Asinaria von Plautus lautet „Lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit“ – Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen, kein Mensch, wenn man sich nicht kennt.

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