Januar 17

Medienkompetenz #1 – Vielfalt der Quellen und Ignoranz

Mal kommen’se von rechts, dann kommen’se von links

Von links

Ich lese die taz. Ich habe sie abonniert und lese sie fast täglich, wenn auch nicht immer alles. Was mir da zu gute kommt, auch wenn das vielleicht nicht so ganz stimmt, ist, dass die taz meiner Meinung nach „nach hinten“ immer unwichtiger wird. Unwichtiger kann da auch regionaler bedeuten, da mag dann ein Artikel für jemanden in Bremen total spannend sein, interessiert mich in Österreich aber nicht so dringend.

Ich habe die taz vor ein paar Monaten kennen und lieben gelernt, was mir am besten gefällt, ist, dass ich mir eine gewisse Trennung von Nachricht und Meinung wahrzunehmen einbilde.  Oftmals gibt es vorne eine eher neutral formulierte Nachricht, z.B. zur Wahl im Kongo und darunter ein Verweis auf einen weiteren Beitrag zum selben Thema dann im Meinungsteil. Dort beringt dann ein Autor auch seine Wertung und Deutung zu dem Thema zum Ausdruck.

Natürlich stellt auch die Auswahl der Nachrichten alleine auch schon immer eine Meinung dar, soviel muss jedem klar sein. Die taz mag jetzt nicht ganz blind gegenüber linken Fehltritten sein, sie haben auch manche Beiträge, wo ich mir denke, na holla, da wird es wieder Leserbriefe geben, wo den Linken der Schaum vor dem Mund stand, aber allgemein kann man schon sagen, ist durch die Themenwahl alleine schon ein gewisser Linksdrall zu erkennen, in dem Meinungsteil kann der noch offensichtlicher werden.

Von rechts

Nun lese ich auch Fefe. Fefe ist ein Blog von Felix von Leitner, ehemaliges CCC-Mitglied, und sein Blog ist, wenn ich es mal neutral ausdrücke,  „anders“ als zum Beispiel die taz. Fefe kommt aus der IT-Sicherheitsszene und, wenn man ihn mal gesehen hat, sieht auch aus, wie man sich den weißen Hater in seinem Kellerloch so vorstellt, wenn man keine echten kennt. Seine Beiträge triefen teilweise vor Sarkasmus bis hin zum Hass, im Grunde ziemlich gegen Alles und Jeden, sei es gegen Frauen, Linke, Rechte, Gutmenschen, wer auch immer (seiner Meinung nach) Scheiße verzapft, muss damit rechnen, dass er Flak bekommt. Updates gibt es schon manchmal, wenn sich Fehler eingeschlichen haben oder der wütende Mob ihn so mit Gegenbelegen zugeschissen hat, dass er auch mal die andere Seite erwähnt, Entschuldigungen habe ich bis jetzt wenig gelesen.

Da meine neuen linken Freunde wenig von Inklusion halten (aber darüber will ich demnächst noch mal extra was schreiben) und Herr Fefe durchaus auch mal das nicht-linke Klientel bedient, ist er dort natürlich eine Persona non grata, was mir relativ wurscht ist. Zu seinem 10 Jährigen Jubiläum in 2015 haben einige Leute ihm was geschrieben, und wenn wir mal ehrlich sind, waren nicht nur Briefe zum hinter-den-Spiegel-stecken dabei.

Wenn man eine vernünftig differenzierte Kritik zu Fefe lesen möchte, sollte sich diesen Gastbeitrag zu Fefes Zehntem von Sascha Lobo  durchlesen, vielleicht noch den von Jürgen Kuri, letzterer geht auch noch mal auf die „Fefisten“ ein, offensichtlich eine Horde Schwachsinniger, die Fefes Wort für Gesetz halten und nach Beiträgen dort Gift und Galle in üblen Shitstorms auf Andersdenkende spritzen, was ich mehr als armselig finde. Auch ich bekomme zB einen Hals von „Profecs“, und ich glaube auch nicht, dass ich mit „ecs“ in Persona eine Diskussion führen könnte, ohne Blutdruckprobleme zu bekommen, aber deswegen schicke ich „ecs“ keine Hatemails oder beschimpfe „ecs“ öffentlich (oder privat, geht beides nicht), schließlich hat „ecs“ mir nichts getan und genau weil das Internet voller verschiedener Leute ist, mag ich es so.

Ich lese Fefe als Gegenpart (auch) zur taz, oder einfach als eine Quelle von mehreren. Dazu kommt, dass er überwiegend Themen abdeckt, die ich woanders nicht vorgesetzt bekomme. Das hat auch was mit Medienkompetenz zu tun. So lange ich nur bequemes und flauschiges von einer Quelle lese, wird mein Weltbild ein komplett falsches sein und ich würde vielen gar nicht mitbekommen. Natürlich habe ich bei manchen seiner Beiträge einen Würgereiz und natürlich denke ich mir oft „Was ein Sackgesicht“, aber das ist ok so, das muss man aushalten. Die Welt ist kein beschissener Safespace (Moneyqoute hinter dem Link: „[…] als sie in diesem Jahr auf dem Frauenkongress dazu aufrief, die Delegierten mögen bitte mit den Händen winken, statt zu klatschen, weil sich manche vielleicht vor dem lauten Geräusch ängstigten.“) voller Katzenwelpen, wer so was möchte, für den wurde Eyebleach erfunden, lest nur noch dort und alles wird cremig. Also kurzgefasst ich lese Fefe, weil es ihn gibt und weil er eine Sicht auf die Welt hat, die mir in meinem Portfolio noch fehlte.

Also, wie gesagt, auch die Auswahl der Themen kann eine Meinungsäußerung sein, das wird bei fefe deutlicher als bei der taz, ist aber bei beiden so. Fefe macht selber im Grunde gar keine journalistische Arbeit. Das das nicht jedem gleich klar wird, merkt man am besten, wenn man diese Koprolalie diesen widerwärtigen Beitrag von diesem „Internet-Experten“ hier liest (Vorsicht, der Typ ist deutlich ekeliger als fefe es je war).

Alles zu mir

Wie ich gerade schon geschrieben habe: Ein Teil von Medienkompetenz ist, seine eigene Meinung aus verschiedenen Quellen zu bilden. Das ist alleine schon deshalb wichtig, weil Informationen, die einem im Internet erreichen, oft gefiltert bzw. vorsortiert werden. Richtig übel ist das beim Krebs des Internets aka Fakebook, aber natürlich betrifft das auch jeden, der einen eigenen Nachrichtenstream zusammen stellt und das nicht ganz plump einem sozialen Netzwerk überlässt. Ob die Vorsortierung nun vom Medium gemacht wird oder im eigenen Kopf…

„Ich lese Fefe nicht, und zwar wegen seiner mangelnden journalistischen, moralischen und diskursethischen Integrität. Wer ihn dennoch liest, kann von mir nicht erwarten, dass ich sie oder ihn noch irgendwie ernst nehme.“

 Michael Seemann

… ist unrelevant, sie findet statt und man muss sich ihrer bewusst sein, sonst landet man in einer Art Echokammer, in der nur die schon vorhandene Meinung wiedergekäut wird und nur zu eigenen, bestehenden Vorlieben passende Meldungen aufscheinen und dadurch der Horizont auf den Radius Null reduziert wird. Das kann man dann als Standpunkt verkaufen wie der Zitierte, aber in meiner Welt ist das eher der Zustand, der zum Wählen von AfD oder Trump führt.

Have fun & take care!


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Veröffentlicht17. Januar 2017 von Frank in Kategorie "Medienkompetenz