Wie alles begann

Angefangen hat alles mit der Google-Suchmaschine. Wenn man wie ich von AltaVista kam, war das saubere Interface ohne Schnick-Schnack von Google eine wirklich erfreuliche Neuerung. Wobei man sagen muss, das AltaVista auch schon eine gewaltige Verbesserung gegenüber der AOL-“Suchmaschine” war. Die Älteren erinnern sich noch an die Flut von AOL-CDs, der man damals (schätzomativ 1997) ausgesetzt war. Auf jeder Computerzeitschrift pappte so eine CD, später gab es die auch einzeln als Postwurfsendungen, wenn ich mich recht erinnere.

AOL war damals keine Webseite, wie man es heute kennt. AOL war eine Software, die nativ auf dem PC lief. Sie kümmerte sich um die Einwahl ins Internet (Ich hatte schon ein 28.8er Modem, was sportliche 28,8 kBit/Sekunde an Speed hergab. Oder wie Ihr Kids heute sagen würdet: 0,03 MBit/s… Huiiiii!) und startete danach eine eigene Oberfläche, wo es verschiedene Angebote gab, auf die man zugreifen konnte. Der AOL-eigene Browser war eher ein Nischenprodukt, die meisten AOL-User waren mit dem zufrieden, was ihnen AOL bot. Dazu gehörte E-Mail (wer gerne mal einen Flashback haben möchte, findet unten ein Audio-File), ein Messenger (später als AIM, AOL Instant Messenger, ausgegliedert), Shopping-Angebote (keine Ahnung, habe ich nie benutzt) und Chats. Ahh Chats…

Junge, Junge, das waren noch Zeiten, wo man mit dem X-ten gefakten Gratis-Account von irgendeiner CD in den AOL-Chats abhing, nur um die (zu den Kosten für die Einwahlverbindung dazukommenden!) Kosten pro Minute AOL zu sparen.

Nächtelang habe ich da rumgehangen und mit Gott und der Welt gechattet. Diese Zeit hat mehr für mein Englisch getan als die Schule es je gekonnt hätte (auch wenn meine Englischlehrerin schon eine gute Grundlage gelegt hatte).

Apropos Kosten Anno Dunnemals (1996-1999): Ich glaube, es waren 6 Pfennige die Minute, also 3,60DM/h für AOL. (Gestützt wird diese Erinnerung durch einen Stern-Artikel Dazu kamen die Kosten für die Einwahl. Telefonieren kostete damals Nachts 12 Pfennig je 2,5 Minuten (Inflationsbereinigt 10,9ct/Minute lt. Wikipedia), wenn es ein Ortsgespräch war, also AOL einen Einwahlknoten in Deinem Ort hatte.

Telekom Tarifrechner, 1996, coloriert. Btw, Mehrwertsteuersatz 15%

Später gab es dann noch einen Internet-Tarif, da kostete die Stunde irgendwas unter 50 Pfennig, aber auch “Internet Flatrates”, wo man sich so lange man wollte im Internetz rumtreiben konnte, teilweise für unter 400DM/Monat! Ja, einige der harten Chatter bei AOL waren wegen finazieller Probleme gerne mal länger offline. Wir hatten ja nüscht!

Für den Hausgebrauch war vielen Nutzern das Internet schlicht zu teuer - einer der Gründe, warum im Herbst 1998 zum Internetstreik aufgerufen wurde. An zwei Sonntagen sollte sich niemand ins Internet einwählen. Ende des Jahres gab es dann die erste Flatrate: Erhältlich war sie mit der Zeitschrift Tomorrow. Eine Einwahl zwischen 19 und 7 Uhr und am Wochenende kostete pauschal 77 Mark im Monat. Doch diese Internetpauschale - damals noch per Modemeinwahl realisiert - war schnell überlastet, eine Einwahl fast nicht möglich. Die Tomorrow-Flat existierte nur bis 1999.

(Quelle teltarif.de]

Anyhow, irgendwann bin ich von AOL weggekommen, auch wenn das hieß, dass man die meisten seiner Online-Kontakte erst mal verloren hat, weil mit diesem Internetz, den Newsgroups oder gar IRC waren die AOL-Insassen gerne überfordert. Einzige Schnittstelle zu den AOLern war damals ICQ, was sich zumindest einige schon installiert hatten. Mein ersten Anbieter nach AOL war VossNet für 9.90DM im Monat (plus Telefonkosten, eh klar), gibts heute auch nicht mehr.

Irgendwie bin ich aber wieder vom Thema abgekommen…

Ich googel, Du googelst, wir alle googeln

Lange Zeit war also Google meine Suchmaschine der Wahl, und wie mir ging es bekanntlich irgendwann so vielen Leuten, dass “googeln” heute das Synonym (oder vermutlich eher Deonym) dafür geworden ist, etwas im Internet zu suchen. Was Google übrigens nur so mittel findet. Auch heute noch gehen schätzungsweise 10-20% meiner Suchanfragen mit dem Bang !g an Google, der Rest an DuckDuckGo. DuckDuckGo wirbt damit, dass sie persönliche Daten weder sammeln noch weitergeben. Ich mag deren Zugang und mittlerweile stinken die Suchergebnisse auch nicht mehr ganz so dolle. Nach einiger Umstellungszeit nutze ich DuckDuckGo aber mittlerweile überall als Standardsuchmaschine und bin ganz recht ziemlich zufrieden.

Zurück zu Google. Was in über 15 Jahren beim Nutzen der Google-Suchmaschine alles an Daten angefallen ist, möchte ich mir gar nicht ausmalen. Es sind ja nicht nur die Dinge, nach denen man gesucht hat, sondern auch die Webseiten, die alle irgendeinen Schmonz von Google eingebunden haben. Selbst Pornhub nutzt Google Analytics und somit weiß Google sogar, wozu man Mütze-Glatze gespielt hat. Habe ich von einem Freund gehört.

Google auf dem Handy

(Schwäbisch, von “Hän die kei Schnur?")

The Apple Years

Dann kamen die Schlaufernsprecher auf. Nach einer Reihe eigenartiger Nokia-Geräte, gefolgt von Telefonen mit Windows Mobile kam dann ein IPhone 4. Nicht lachen! Ich hatte mir das Ipad gekauft, kurz nach dem es rausgekommen ist. Nicht, weil ich Apple gut finde oder dachte, dass 700€ ein angemessener Preis für so ein Gerät seien, sondern weil es damals das einzige Tablet war, was so funktionierte, wie man sich das vorstellte. Ich habe damals im Blöd-Markt echt lange auf allem rumgewischt, was die so da hatten, aber es war leider so, dass die Android-Geräte laggten wie sau, was bei einem Touch-Gerät gar nicht geht. Also wurde es ein iPad, weil ich den feuchten Traum hatte, fürderhin meine Zeitung darauf zu lesen. Habe ich dann auch, eine ganze Zeit den Kurier, den Standard, die taz und wieder den Standard. Mittlerweile nehmen die Eierköpfe allerdings 20€+ pro Monat und mir wächst das Geld ja nicht aus der Hand.

Auf jeden Fall hatte ich damals also so ein iPad und als dann ein neuer Schlaufernsprecher fällig wurde, kaufte ich das iPhone passend dazu. Offizielle Begründung mir gegenüber, diese Ausgabe zu rechtfertigen, war irgendeine Haushaltsbuch-App auf dem Tablet, die man mit seinem iPhone koppeln konnte, um dann den Kassenbon gleich im Supermarkt zu fotografiern und die iDaten über die iCloud zu iSynchronisiern. Eine super Sache, habe ich auch bestimmt fünf mal gemacht. Mittlerweile bekomme ich von iOS schlechte Haut, jedes Mal, wenn ich gezwungen bin, so ein Gerät zu benutzen, komme ich mir vor wie Öttinger im Internet. Die Begeisterung der Apple-Jünger kann ich mir nur mit dem Stockholm-Syndrom erklären. Ja ok, oder mit einem ganz anderen Zugang zur IT als dem meinen.

Android, übernehmen sie!

Wie auch immer. Nachdem ich mich aus dem goldenen Apple-Käfig freigeschwommen hatte, waren Android, Google und ich lange Zeit ziemlich FZ. Was das aber für Nebenwirkungen hatte, habe ich erst im Laufe der Zeit herausgefunden bzw. realisiert.

Mein Handy hat die ganze Zeit getrackt, wo ich so rumlaufe, wie lange ich wo war und dazu noch gespeichert, was ich da vermutlich gemacht habe. So wurden Orte, an denen ich mich länger aufhielt und deren Adresse in meinem Adressbuch waren, verknüpft, aber auch Orte wie “Arbeit” nur anhand von Aufenthalts-Frequenz und -Zeit markiert. Ist ja auch praktisch, wenn man mal wissen will, wo man letzten Mittwoch um 10 Uhr war, heute finde ich das eher creepy.

Natürlich hatte ich auch (und habe noch) einen GMail-Account. Fuck, ich war so geil auf den, dass ich mir damals extra in irgendeinem IRC-Chat einen der “raren” Einladungs-Codes besorgt habe. Meine erste Mail mit Google habe ich am 16.09.2004 geschrieben, es war der Dank an Mads J., der mich eingeladen hatte, an diesem tollen neuen Mailservice teilzunehmen. Anfangs war der immer noch als Beta gekennzeichnet, wie viele Google-Dienste später auch. Wie ich im Wikipdia Artikel “History of Gmail” lese, war das sogar bis zum 7.7.2009, also fast fünf Jahre nach Launch, noch so.

TBC?

To be continued? (Zu sein fortgesetzt?)

Ich denke, ich werde meine erratischen Ausführungen an dieser Stelle mal anhalten und sie zu gegebener Zeit fortsetzen.

Wie immer gilt: like, share & subscribe, oder wie wir Deutschen sagen: Ein Däumchen wär ein Träumchen! Oder so in der Art auf jeden Fall.

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AOL: Sie haben Post!

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Grafik Tarifrechner von Deutsche Telekom - Deutsche Telekom, Gemeinfrei
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