Oktober 1

Lesetipp: „Wieso es keinen Rechtsruck gibt, aber die extreme Rechte trotzdem wächst“ von Jonas Schaible

Jonas Schaible hat sich laut eigenen Angaben zwei Jahre lang Gedanken gemacht und dann diesen Artikel bei t-online geschrieben: „Wieso es keinen Rechtsruck gibt, aber die extreme Rechte trotzdem wächst.

In diesem Artikel führt er aus, warum er nicht an einen Rechtsruck glaubt, sondern denkt (und mit Beispielen belegt), dass die Gesellschaft pluralistischer wird.

Er erklärt oder zeigt auf, warum es nicht die Armen sind, die Rechts wählen; warum es nicht an den Flüchtlingen liegt, wenn die Nazis in Österreich regieren (ich wohne bald 20 Jahre in Österreich und innerlich zucke ich immer zusammen, wenn Österreich in einem Atemzug mit den Rechten aus Polen und Ungarn genannt wird… Danke, Baby-Hitler!) und was Grillfleisch mit den Pegidioten zu tun haben kann.

Ich mag sein Konzept des Konfliktes zwischen „Pluralitären“ und „Normalitären“ – ich erkenne viele Gedanken wieder, die mich schon eine ganze Zeit beschäftigen.

Es ist ein wirklich sehr lesenswerter Artikel, den ich Euch allen ans Herz legen möchte! Wenn Ihr in diesen Tagen was lesen wollt, dann fangt doch mal damit an 🙂

via / Archiv-Link des Artikels

Katgeorie:Lesestoff, Philosophie, Social-Schmozial | Kommentare deaktiviert für Lesetipp: „Wieso es keinen Rechtsruck gibt, aber die extreme Rechte trotzdem wächst“ von Jonas Schaible
Januar 24

Die Unendliche Geschichte 2.0

Ein (für mich) neuer Trailer zu Ready Player One ist da. Er macht das, was bis jetzt jeder neue Trailer dieses Films für mich gemacht hat: Er lässt mich befürchten, dass diese Film das Buch genau so vergewaltigt, wie es die Verfilmung der Unendlichen Geschichte damals gemacht hat. Ich habe heute noch traumatische Erinnerungen daran, wie ich aus dem Kino kam und irgendwas zwischen traurig, verärgert und enttäuscht war (ok, und etwas verknallt in Tami Stronach, aber hej, ich war 12). Wenn ich jetzt die Trailer zu einem meiner aktuellen Lieblingsbücher (ich denke, schon vier oder fünf mal gehört(1)) sehe, überkommt mich das Grausen. Gut, dass ich den Hauptdarsteller Tye Sheridan (Bild) nicht leiden kann, liegt daran, dass er aussieht, wie ein YouTube-Haul & Prank-Video-Affe, der ohne sein Handy nicht höher als Zehn zählen kann. Aber dafür kann ja der Drehbuchautor nix. Aber abgesehen davon (wobei ich den wirklich so richtig Kagge finde) scheint mir viel Zeit für dazugedichtete reißerische Action draufzugehen und es beschleicht mich das Gefühl, dass es so ein bisschen wie diese Szene in Herr der Ringe mit den Ringgeistern ist, die irgendwen auf eine Fähre oder so hetzen, was auch nur sinnlose Action war und mit dem Buch nichts zu tun hatte. Ist ziemlich am Anfang und hat mich damals im Kino das Allerschlimmste befürchten lassen. War dann aber nicht so schlimm, nur scheint mir das hier einen signifikanteren Teil des Films auszumachen.

Schaut Euch den Trailer an, wenn Ihr das Buch kennt, würde mich interessieren, ob es Euch ähnlich geht wie mir.

(1) Allerdings die Audible Version, die von Martin Bross gelesen wurde, die es anscheinend nicht mehr zu kaufen gibt. Ich hoffe mal, dass mir die alte nicht gelöscht wird, noch habe ich sie auf meinem Handy…

Inspriert von diesem Posting im Fernsehersatz.

Januar 19

WYSIATIS – What You See Is All There Is oder: Demokratie unter Irrationalen

Auf der Republik-Webseite (100% Leserfinanziertes Schweizer Magazin für Verwickeltes & Komplexes) ist ein Artikel mit dem Titel „Demokratie unter Irrationalen“ erschienen, den ich Euch wirklich ans Herz legen möchte.

Eigentlich ging/geht des den Autoren um die Frage, warum man einen Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk braucht, allerdings gibt es dazu einen Exkurs durch die aktuellen Ergebnisse der Hirnforschung, und Antworten auf die Frage, warum unser Gehirn uns etwas vormacht, unsere Handlungsfreiheit kleiner ist, als wir glauben und warum jemand rechte Brandstifter oder Linke Bahnhofsklatscher wählt. Mich hat dieser Artikel wirklich begeistert! Auch wenn ich nicht qualifiziert bin, die Qualität der zugrunde liegenden Studien bzw. Arbeiten zu beurteilen, hat der Text dennoch viele schöne Ansätze und spannende Erklärungsversuche, warum wir denken wie wir denken.

Dazu kommt eine wirklich spannende Betrachtung, was der Unterschied zwischen Schnellem und Langsamen Denken ist…

  • Das schnelle Denken ist ständig aktiv, es urteilt rasch und mühelos, ohne Unterlass und Willensentscheidung, in tausenden Alltagssituationen.
  • Das langsame Denken schaltet sich nur ein, wenn im Strom des schnellen Denkens etwas Komplexes, Gefährliches oder Unerwartetes auftaucht, etwa die Rechenaufgabe 42 × 57, eine unübersichtliche Strassenkreuzung oder ein rosa Dackel. Das langsame Denken verbraucht Energie, es strengt an, hat begrenzte Kapazitäten an Aufmerksamkeit – kein Wunder, ist sein wichtigstes Merkmal seine Faulheit.Demokratie unter Irrationalen

… warum Denken nicht immer gut ist…

Nachdenken kann Leben retten, vor allem seine Vermeidung. In Österreich sind fast 100 Prozent der Leute Organspender, in Deutschland 12 Prozent. In Schweden sind es 80 Prozent, in Dänemark 4 Prozent. Der Unterschied: In Deutschland und Dänemark muss man ankreuzen, dass man Organspenderin ist, in Österreich und Schweden, dass man es nicht ist. Die Unlust zu denken macht den Unterschied.Constantin Seibt

…und welche Geschmacksrichtungen die unterschiedlichen politischen Lager so im Angebot haben:

So, wie die Zunge fünf Geschmacksrichtungen kennt – süss, sauer, salzig, bitter, umami –, listet der Moralforscher Haidt sechs moralische Geschmacksrichtungen auf. Das sind:

  • Fürsorge vs. Quälen
  • Gerechtigkeit (oder Fairness) vs. Betrug
  • Freiheit vs. Unterwerfung
  • Loyalität vs. Verrat
  • Autorität vs. Subversion
  • Reinheit (bis hin zur Heiligkeit) vs. Schande

Die Linke hat nur die ersten drei im Angebot. Die Rechte dagegen deckt die ganze Palette ab.Demokratie unter Irrationalen

Alles in allem ein wirklich lesenswerter Artikel, den ich jedem nur ans Herz legen kann, der sich (u.a.) schon mal verzweifelt gefragt hat, was für Idioten zum Teufel die AfD oder FPÖ wählen (Spoiler: Die Ängstlichern und zugleich aber auch Empathischeren. Oder? Selber lesen!). Wenn man danach vielleicht auch keine Lösung hat, wie das zu verhindern ist, so kann man doch ein paar Denkansätze mitnehmen, die Licht ins Dunkel bringen und zur Selbsterkenntnis beitragen können.

Ach ja, und die Nummer mit dem Staatsfunk wird auch noch besprochen, ist aber nur eine Randerscheinung in dem Artikel. Auch wenn ich zum Beispiel der Überzeugung bin, dass wir den RTL-Nau-Verblödeten und Gratiszeitungs-Lesern nicht das Feld überlassen sollten und ein, möglichst neutraler, Staatsfunk nicht das schlechteste ist, wofür man sein Geld ausgeben kann, ist das nicht der Grund, diesen Artikel zu lesen.

PS: WYSIATIS aus der Überschrift ist Daniel Kahnemanns Grundregel: «What you see is all there is», kommt auch in dem Artikel vor.

Archiv: Demokratie unter Irrationalen – Republik (PDF als Backup, 3MB)


Artikel gefunden auf „Der Hassmaschine für Arschlochnerds„: Fefes Blog

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