Oktober 1

Lesetipp: „Wieso es keinen Rechtsruck gibt, aber die extreme Rechte trotzdem wächst“ von Jonas Schaible

Jonas Schaible hat sich laut eigenen Angaben zwei Jahre lang Gedanken gemacht und dann diesen Artikel bei t-online geschrieben: „Wieso es keinen Rechtsruck gibt, aber die extreme Rechte trotzdem wächst.

In diesem Artikel führt er aus, warum er nicht an einen Rechtsruck glaubt, sondern denkt (und mit Beispielen belegt), dass die Gesellschaft pluralistischer wird.

Er erklärt oder zeigt auf, warum es nicht die Armen sind, die Rechts wählen; warum es nicht an den Flüchtlingen liegt, wenn die Nazis in Österreich regieren (ich wohne bald 20 Jahre in Österreich und innerlich zucke ich immer zusammen, wenn Österreich in einem Atemzug mit den Rechten aus Polen und Ungarn genannt wird… Danke, Baby-Hitler!) und was Grillfleisch mit den Pegidioten zu tun haben kann.

Ich mag sein Konzept des Konfliktes zwischen „Pluralitären“ und „Normalitären“ – ich erkenne viele Gedanken wieder, die mich schon eine ganze Zeit beschäftigen.

Es ist ein wirklich sehr lesenswerter Artikel, den ich Euch allen ans Herz legen möchte! Wenn Ihr in diesen Tagen was lesen wollt, dann fangt doch mal damit an 🙂

via / Archiv-Link des Artikels

Mai 7

Musike am Montag: Die Anarchisten-Hymne

John Lennon – Imagine

Imagine there’s no countries
It isn’t hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion, too

Imagine all the people
Living life in peace

You, you may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you will join us
And the world will be as one

Imagine no possessions
I wonder if you can
No need for greed or hunger
A brotherhood of man

Imagine all the people
Sharing all the world

You, you may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you will join us
And the world will live as one

 

Jonny, der alte Anarchist. Knallertext. Eine Punk-Version wäre noch besser.

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Januar 19

WYSIATIS – What You See Is All There Is oder: Demokratie unter Irrationalen

Auf der Republik-Webseite (100% Leserfinanziertes Schweizer Magazin für Verwickeltes & Komplexes) ist ein Artikel mit dem Titel „Demokratie unter Irrationalen“ erschienen, den ich Euch wirklich ans Herz legen möchte.

Eigentlich ging/geht des den Autoren um die Frage, warum man einen Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk braucht, allerdings gibt es dazu einen Exkurs durch die aktuellen Ergebnisse der Hirnforschung, und Antworten auf die Frage, warum unser Gehirn uns etwas vormacht, unsere Handlungsfreiheit kleiner ist, als wir glauben und warum jemand rechte Brandstifter oder Linke Bahnhofsklatscher wählt. Mich hat dieser Artikel wirklich begeistert! Auch wenn ich nicht qualifiziert bin, die Qualität der zugrunde liegenden Studien bzw. Arbeiten zu beurteilen, hat der Text dennoch viele schöne Ansätze und spannende Erklärungsversuche, warum wir denken wie wir denken.

Dazu kommt eine wirklich spannende Betrachtung, was der Unterschied zwischen Schnellem und Langsamen Denken ist…

  • Das schnelle Denken ist ständig aktiv, es urteilt rasch und mühelos, ohne Unterlass und Willensentscheidung, in tausenden Alltagssituationen.
  • Das langsame Denken schaltet sich nur ein, wenn im Strom des schnellen Denkens etwas Komplexes, Gefährliches oder Unerwartetes auftaucht, etwa die Rechenaufgabe 42 × 57, eine unübersichtliche Strassenkreuzung oder ein rosa Dackel. Das langsame Denken verbraucht Energie, es strengt an, hat begrenzte Kapazitäten an Aufmerksamkeit – kein Wunder, ist sein wichtigstes Merkmal seine Faulheit.Demokratie unter Irrationalen

… warum Denken nicht immer gut ist…

Nachdenken kann Leben retten, vor allem seine Vermeidung. In Österreich sind fast 100 Prozent der Leute Organspender, in Deutschland 12 Prozent. In Schweden sind es 80 Prozent, in Dänemark 4 Prozent. Der Unterschied: In Deutschland und Dänemark muss man ankreuzen, dass man Organspenderin ist, in Österreich und Schweden, dass man es nicht ist. Die Unlust zu denken macht den Unterschied.Constantin Seibt

…und welche Geschmacksrichtungen die unterschiedlichen politischen Lager so im Angebot haben:

So, wie die Zunge fünf Geschmacksrichtungen kennt – süss, sauer, salzig, bitter, umami –, listet der Moralforscher Haidt sechs moralische Geschmacksrichtungen auf. Das sind:

  • Fürsorge vs. Quälen
  • Gerechtigkeit (oder Fairness) vs. Betrug
  • Freiheit vs. Unterwerfung
  • Loyalität vs. Verrat
  • Autorität vs. Subversion
  • Reinheit (bis hin zur Heiligkeit) vs. Schande

Die Linke hat nur die ersten drei im Angebot. Die Rechte dagegen deckt die ganze Palette ab.Demokratie unter Irrationalen

Alles in allem ein wirklich lesenswerter Artikel, den ich jedem nur ans Herz legen kann, der sich (u.a.) schon mal verzweifelt gefragt hat, was für Idioten zum Teufel die AfD oder FPÖ wählen (Spoiler: Die Ängstlichern und zugleich aber auch Empathischeren. Oder? Selber lesen!). Wenn man danach vielleicht auch keine Lösung hat, wie das zu verhindern ist, so kann man doch ein paar Denkansätze mitnehmen, die Licht ins Dunkel bringen und zur Selbsterkenntnis beitragen können.

Ach ja, und die Nummer mit dem Staatsfunk wird auch noch besprochen, ist aber nur eine Randerscheinung in dem Artikel. Auch wenn ich zum Beispiel der Überzeugung bin, dass wir den RTL-Nau-Verblödeten und Gratiszeitungs-Lesern nicht das Feld überlassen sollten und ein, möglichst neutraler, Staatsfunk nicht das schlechteste ist, wofür man sein Geld ausgeben kann, ist das nicht der Grund, diesen Artikel zu lesen.

PS: WYSIATIS aus der Überschrift ist Daniel Kahnemanns Grundregel: «What you see is all there is», kommt auch in dem Artikel vor.

Archiv: Demokratie unter Irrationalen – Republik (PDF als Backup, 3MB)


Artikel gefunden auf „Der Hassmaschine für Arschlochnerds„: Fefes Blog

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September 1

Wahlwerbung: Die Partei!

Für den Inhalt der Wahlwerbung sind die jeweiligen Parteien verantwortlich, wobei die Partei „Die Partei“ die einzige Werbung macht, die ich wirklich sehen will. Das gilt besonders für die Arschkrampen von den „Faschistoiden Populisten Österreichs (FPÖ)“, die mich seit kurzem mit ihren Angst-und-Hass-Wahlwerbespots für die geistig Armen auf YouTube nerven. Das ist die selbe braune Scheiße, wie sie von der deutschen Partei „Antworten für Dumme (AfD)“ propagiert wird.

Allen, die jetzt sagen „Naja, an der FPÖ/AfD/NPD ist ja nicht alles schlecht“ oder „Nicht alle FPÖ-Wähler sind schlecht, da sind ja auch normale Leute dabei“ etc. und „Nazis boxen ist auch keine Lösung, man muss mit denen reden und sie überzeugen“, denen möchte ich diesen Text von Wiglaf Droste um die Ohren schlagen:

[…] Alle Welt sucht das Gespräch mit Rechtsradikalen. Warum? Haben sie einem etwas zu sagen? Ist nicht hinlänglich bekannt, was sie denken, fordern und propagieren? Wo liegt der beschworene aufklärerische Wert, wenn Henryk Broder in der `tageszeitung‘ Franz Schönhuber interviewt?

Muß man an jeder Mülltonne schnuppern? Niemand wählt Nazis oder wird einer, weil er sich über deren Ziele täuscht, – das Gegenteil ist der Fall; Nazis sind Nazis, weil sie welche sein wollen. Eine der unangenehmsten deutschen Eigenschaften, das triefende Mitleid mit sich selbst und den eigenen Landsleuten, aber macht aus solchen Irrläufern der Evolution arme Verführte, ihrem Wesen nach gut, nur eben ein bißchen labil etc., „Menschen“ jedenfalls, so Heinz Eggert, „um die wir kämpfen müssen“.

Warum? Das Schicksal von Nazis ist mir komplett gleichgültig; ob sie hungern, frieren, bettnässen, schlecht träumen usw. geht mich nichts an. Was mich an ihnen interessiert, ist nur eins: daß man sie hindert, das zu tun, was sie eben tun, wenn man sie nicht hindert: die bedrohen und nach Möglichkeit umbringen, die nicht in ihre Zigarettenschachtelwelt passen. Ob man sie dafür einsperrt oder sie dafür auf den Obduktionstisch gelegt werden müssen, ist mir gleich, und wer vom Lager (für andere) träumt, kann gerne selbst hinein.

Dort, in der deutschen Baracke, dürfen dann Leute wie Rainer Langhans, Wolfgang Niedecken und Christiane Ostrowski zu Besuch kommen und nach Herzenslust mit denen plaudern, zu denen es sie zieht.

Den Rest der Zeit werden die Berufsdeutschen ein wenig gequält: Verordneter Antifaschismus all night long! Fritz Teppisch spricht nicht unter drei Stunden! Aus den Lautsprechern dröhnt verjüdelte Negermusik! Pflichtlektüre: die schlechtesten Satiren von Ephraim Kishon! Rechte Winkel und Viervierteltakt sind bei Strafe verboten, die Haare werden nicht mehr geschnitten. Abends Talkshow mit Henryk Broder und Lea Rosh – es herrscht Teilnahmspflicht. Und dann geht es ruckzuck ohne Nachtisch ins Bett – zu Mister Long Dong Silver. So geht das.

Verbaler Antifaschismus ist Käse. Militant soll er sein, vor allem aber erfolgreich. Wenn sich dabei herausstellen sollte, daß es sich gegen 50, 60, 70, 80 oder 90 Prozent des deutschen Volkes richtet,
dann ist das eben so. Wo Nazis `demokratisch‘ gewählt werden können, muß man sie nicht demokratisch bekämpfen.Wiglaf Droste - Mit Nazis reden

Kann man sich (teilweise) auch von ihm auf YouTube vorlesen lassen.

 

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April 3

Musike am Montag – Kirchturmkandidaten von Jan Delay

Aktueller denn je….

Lyrics ansehen
Hier ist der Delay Lama
Mit ner kleinen Story, nem kleinem Drama
Es geht um die, die an der ganzen Scheiße verzweifeln
Sich ne Wumme greifen und auf den Kirchturm steigen

Es war ein Fehler, sie zu verarschen
(Ihr habt sie belogen, jetzt stehen sie da oben)
Ihr züchtet Kirchturmkandidaten
(Ihr habt sie belogen, jetzt stehen sie da oben)
Es war ein großer Fehler, sie zu verraten
(Ihr habt sie belogen, jetzt stehen sie da oben)
Jeden Tag züchtet ihr Kirchturmkandidaten

Manche Leute haben Nerven dick wie Drahtseile
Andre wiederum nur Nerven dünn wie Zahnseide
Diese Labilen sind der Grund, wenn ich sag
Behandelt andre immer so, dass ihr das Echo vertragt

Denn da oben auf der Kirche da steht einer und ist sauer
Er ballert in die Luft und schreit, „Fight the Power“
Ihr habt ihn solang unter Druck gesetzt
Und darum solltet ihr euch alle besser ducken jetzt

Es war ein Fehler, sie zu verarschen
(Ihr habt sie belogen, jetzt stehen sie da oben)
Ihr züchtet Kirchturmkandidaten
(Ihr habt sie belogen, jetzt stehen sie da oben)
Es war ein großer Fehler, sie zu verraten
(Ihr habt sie belogen, jetzt stehen sie da oben)
Jeden Tag züchtet ihr Kirchturmkandidaten

All das Geläster und Gelächter beim Job
Deshalbt hat er jetzt ne Baretta und ne Heckler & Koch
Wegen den Witzen damals über seine Aldi-Klamotten
Sind deine Reifen zerstochen und die Scheiben zerschossen

Auch die Steuerprüfung die hat er nie ganz verdaut
Darum macht ihr Bekanntschaft mit seiner Panzerfaust
Ihr habt ihn alle unter Druck gesetzt
Und darum solltet ihr euch alle lieber ducken jetzt

Es war ein Fehler, sie zu verarschen
(Ihr habt sie belogen, jetzt stehen sie da oben)
Ihr züchtet Kirchturmkandidaten
(Ihr habt sie belogen, jetzt stehen sie da oben)
Es war ein großer Fehler, sie zu verraten
(Ihr habt sie belogen, jetzt stehen sie da oben)
Jeden Tag züchtet ihr Kirchturmkandidaten

Für viel Geld verkauft ihr ihnen totale Scheiße
Schrott Pcs mit Anleitung voll Fragezeichen
Schickt sie in überteure Warteschleifen
Darum ist es an der Zeit für euch ins Gras zu beißen

lyrics found at metrolyrics.com

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April 2

Kritisches Denken

Mein Lieblingszitat zu dem Thema Kritik ist immer noch folgendes:

Criticism may not be agreeable, but it is necessary.

It fulfils the same function as pain in the human body.

It calls attention to an unhealthy state of things.Sir Winston Churchill

Da mich das Thema schon seit -zig Jahren interessiert, neige ich dazu, auf fast alles zu klicken, was dazu durch meine Filterblase fliegt. So bin ich auch auf Psiram auf diesen interessanten Beitrag im NEUROLOGICALblog der New England Sceptical Society gestossen: „The Need for Ctritical Thinking„.

Moneyquote:

My point here is that (after the basics like reading) teaching critical thinking skills would probably be the most useful thing to teach students. Critical thinking is a skill and a habit that will stick with them for life, and be endlessly useful. Critical thinking should have an extremely high priority in education, at every level, much higher than it has now.Steven Novella, NEUROLOGICAblog

Genau das. Wenn sich zum Beispiel die PegidAfDioten oder Trumpisten mal die Mühe machen würden, die Positionen ihre Idole kritisch zu hinterfragen, würden sie vermutlich die Substanzlosigkeit, Menschenfeindlichkeit und/oder Unfinanzierbarkeit vieler Punkte durchschauen. Egal, ob man die zugrundeliegenden Positionen mag oder nicht, wenn man mal schaut, was diese Schwachstellen am Ende für Lösungen anbieten und diese mal genauer betrachtet, bricht der schöne Schein schnell zusammen.

Leider sind die rechten Demagogen wie Frau von Strolch, Bernd Höcke und Frau Kepetry oder auch St. Rache nicht so blöde wie ihre Anhänger, daher haben sie das Problem mit diesen unbequemen Hinterfragern und Kritikern früh erkannt. Der Narrativ der Lügenpresse, die Angriffe von Seiten der Presse im Vorfeld diskreditieren soll, spielt da genau so rein wie die Taktik, Sachthemen zu einem persönlichen Thema zu machen.

© erzählmirnix

Ich kann die Leute auf solchen Aufmärschen, die nicht interviewt werden wollen, verstehen, schließlich mag niemand bloßgestellt werden. Und bloßgestellt wird man schnell, wenn man einfach nur Sprechblasen und dumpfe, meinungsbasierte Hetze nachplappert. Natürlich kann man sich in einem Diskurs nicht verteidigen, wenn man sich in Wirklichkeit einen Scheiß auskennt und einfach nur die Gehirnwäsche der Hetzer auf dem Podium und ihrer Handlanger in den sozialen Medien nachplappert. Aber, wie bei anderen Themen auch, wird hier nicht die Verantwortung beim einzelnen Dampfplauderer oder bei denen, die ihm diesen Dampf in den Kopf gepustet haben, gesucht, sondern es werden diejenigen, die solche Positionen kritisch hinterfragen, als der Feind dargestellt.

Was sollte ein AfDler jemandem, der ihn mit der Absurdität von Schrödingers Bernd Höckes Asylantenbild (Ist ein arbeitsloser Sozialschmarotzer und gleichzeitig nimmt er den Doitschen ihre Arbeitsplätze weg) konfrontiert, auch sagen?

Schaut Euch die unerträglichen Geiferer an, die bei PegidAfD-Aufmärschen ihren Demagogen lauschen oder auf Fakebook und Twitter den vermeintlichen Gegner mit Hetze, Hass und Gewaltdrohungen überziehen. Das ist kein sachlicher Diskurs mehr, das ist schon lange auf einem persönlichen Level gelandet.

Ich schließe mich auch dem Schlußsatz des Artikels an:

But we also need to make sure this does not become a partisan issue. Teaching critical thinking cannot be seen as an attack against one tribe. Critical thinking is non-partisan. It is a universal skill that everyone should learn.Steven Novella

Ich denke, wenn mehr Leute mal gelernt (und nach der Schule auch weiterhin geübt) hätten, wie man sich mit einer Frage bzw. einem Thema kritisch beschäftigt, hätten die Populisten weniger Zulauf. Am Ende vom Tag gefährdet die Unfähigkeit, kritisch zu denken, auch die Demokratie, da eine Wahl nur funktioniert, wenn die Wahlberechtigten sich damit auseinandersetzen, was sie da wählen und in wie weit das, was die jeweiligen Kandidaten da versprechen, überhaupt machbar ist. Schaut Euch die Trump-Wahl an: Wer sich kritisch mit dem Programm des orangen Horrorclowns auseinandergesetzt hat, ist auf leere Phrasen und unrealisierbare oder unvernünftige Wunschvorstellungen gestoßen. Das scheint aber die Wähler nicht zu interessieren, mehr noch, eine Kritik an Trumpels gemeingefährlichen Aktionen nehmen sie persönlich.

Dieses persönlich-nehmen liegt meiner Meinung nach daran, dass mangels kritischer Reflexion auf der einen Seite und der Tatsache, dass eine verschissene Harmonie-Kultur in Firmen, Universitäten und im privaten Einzug gehalten hat, auf der anderen Seite, jegliche Kritik-Kultur den Bach runtergegangen ist. Wer heute zu viel Kritik übt, passt nicht mehr „in die Vision, die wir uns von unserer Firma haben“ (Grüße an die Gesichter aus den Führungsetagen: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!) oder in den Freundeskreis der Ja-Sager auf Fakebook. All die Safe-Space-Spinner und Harmonie-Süchtlinge werden sich umschauen, wenn die AfD-Pegidastapo vor der Tür steht und sie einlädt, sich doch mal in einem Erziehungslager die neuen Ideen der Höcke-Strolch-St. Rache-Führung anzuhören.

Abschließen möchte ich den vermutlich recht inkohärenten Beitrag heute mit dem Verweis auf einen Artikel von Dr. Nadja Hermann, die in ihrem wunderbaren Blog „erzählmirnix“ immer wieder Musterstücke für kritisches Denken postet: „AfD-Logik überwinden„, aus dem ich auch den Comic oben geklaut habe.

Schönen Sonntag!

PS: Kritisches Denken anzuregen ist übrigens einer der Gründe, warum ich Chaos macht Schule oder solche Veranstaltungen wie die Privacy Week unterstütze: Ich will, dass die Leute informiert werden und angeregt werden, selber ihren Umgang mit (digitalen) Medien zu hinterfragen, quasi mein Beitrag aus den Reihen der Partisanen.

PPS: Thema Safe Space: Am Anfang waren Safe Spaces dafür gedacht, einen sicheren Platz zu schaffen, in dem LBGT-Menschen nicht angefeindet werden und vor Hassrede etc. geschützt wurden. Diesen Gedanken finde ich richtig und wichtig! Ich finde es gut, wenn sich jeder an einem Diskurs beteiligen kann (so er das konstruktiv tun möchte), ohne dass er aufgrund seine sexuellen Ausrichtung, Identität etc. angegriffen wird. Was mir zu weit geht ist, wenn man bestimmte Themen nicht mehr diskutieren kann, weil jeder Idiot und sein Bruder für alles eine Trigger-Warnung braucht oder verstörende Inhalte gar nicht mehr besprochen werden, aus Angst, hinterher könne sich jemand beschweren. Wo, wenn nicht im Umfeld einer Bildungseinrichtung, sollte man denn den Umgang mit kontroversen Themen lernen? Beim AfD-Stammtisch? Auf Fakebook? Wenn ich mal Shaheen Pasha zitieren darf:

College is not a safe space. It was never intended to be. It is a place where debates can turn heated and ugly and the cruel realities of the world come crashing down on students, preparing them for the very real discourse they will face upon graduation. It is a time to grow out of the protective cocoon of childhood and face the fact that the world can be an unpleasant place.Shaheen Pasha, Assistant Professor M.S., Columbia University School of Journalism

Beim Safe Space geht es IMHO darum, dass jemand in einer Diskussion über das Schulfrühstück nicht wegen seiner Geschlechtsidentität, Hautfarbe, Religion oder sonstwas angegriffen wird, sondern nur sein Standpunkt in der Diskussion. Dennoch kann man eine Diskussion über solche Themen wie Religion etc. führen und man sollte auch die Möglichkeit haben, eine polarisierende Meinung zu vertreten.

Katgeorie:DWzS, Medienkompetenz, Philosophie, Psychologie, Social-Schmozial | Kommentare deaktiviert für Kritisches Denken
März 28

Parallelwelten kurz vorgestellt – Heute: David Sheldrick, 21, besorgt.

David Sheldrick ist besorgt. Sehr sogar. Er erwartet nicht viel vom Leben, wirklich nicht. Im Grunde will er nur Sicherheit. Ok, und ein Haus in der Nähe seines Arbeitsplatzes und zwei Autos. Leider auch Kinder. Auch wenn er die nur haben möchte, wenn er uns seine Ische ihre Jobs behalten können – das Risiko, dass sich die besorgten Gene von David verbreiten, besteht.

Wie dem auch sei. David ist 1995 geboren und zu doof, sich im Internet zurechtzufinden, was er daran festmacht, dass er mit seinem Handy nur arbeiten kann und es nicht schafft, „Bilder mit einem Filter hochzuladen“. David hat man nach zwölf Jahren Schule sein Abitur mehr oder weniger geschenkt, danach hat er an einer privaten FH seinen Bachelor im „International Business“ gemacht und war, wie es sich für ein vermutlich armes Arbeiterkind gehört, Mitglied in einer ebenso vermutlich rechten Studentenverbindung.

Derzeit ist sein Hauptproblem seine finanzielle Misere. Obwohl er und seine Frau beide sicher hart im „International Business“ arbeiten, werden sie zusammen mit lumpigen 5.000€ Netto im Monat abgespeist! Das reicht natürlich für nichts. „Auch die Aussicht, ein Haus kaufen zu können […] ist sehr gering. Wir können und nicht mal ein Auto kaufen.“ Und dabei bräuchte er sogar zwei!

Ganz klar, der Junge leidet und kann es nicht länger aushalten, dass die Leute gegen Globalisierung und Freihandelsabkommen sind und seine Kohle an irgendwelche Rentner verteilt wird, die gerade mal 63 sind. Also wird er sich politisch mal so richtig reinknien. Wenn jemand darauf wetten möchte, dass er sich einer sozialen/linken Partei anschliesst, schickt mit gerne Eure Wett-Angebote, ich persönlich habe da Bedenken, der besorgte David wird sich in seiner Ohnmacht wohl eher den anderen besorgten Bürgern wie Trixi von Strolch, Bernd Höcke und Frau Kepetry anschließen.

 

Link zum orginal Beitrag auf Zeit.de

 

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März 18

Mein Schatzssssss…..

Diese Bilder flogen vor zwei Jahren mal durch meine Filterblase mit dem Titel „Children From Around the World With Their Most Prized Possessions“ und damals wie heute halte ich diese Bilder für ebenso schön wie melancholisch:

Wie dem auch sei, ich frage mich manchmal, ob ich so Leute, die zum Beispiel gegen Flüchtlinge sind und meinen, die sollen alle im Meer verrecken oder in ihren zerbombten Städten bleiben, beneiden soll, weil in deren Kopf offensichtlich solche Bilder nicht hängen bleiben oder zumindest keine Empathie auslösen.

Ich kann so ein Bild nicht ansehen, ohne mir Gedanken zu machen, wie das Leben rundherum wohl aussehen mag.

Wie es Eltern gehen muss, die ihrem Kind gerne mehr bieten würden und nicht mal selber das nötigste haben. Wie ich selber handeln würde. Natürlich würde ich auch versuchen, irgendwas zu machen, in ein Land zu kommen, wo es nicht so scheiße ist (wenn ich in all dem Elend nicht schon aufgegeben hätte, aber mit Kindern ist das vermutlich anders).

Aber was, wenn man dann dort beschimpft wird, nicht arbeiten darf und dann, begleitet vom Gejohle des widerwärtigen PegidAfd-Mobs, in ein Flugzeug „nach Hause“ gesetzt wird? Andersrum: Wie kann man sehen, dass so etwas passiert, wie kann man wissen, dass Menschen leiden und sterben und dann solche Fickgesichter wie Bernd Höcke, Frau Kepetry, Hatsche Schtratsche oder diese Nachgeburt Grunz Wilders wählen, die sich für Herrenmenschen halten und selber in Wirklichkeit zum Bodensatz der Menschheit gehören?

There is no sin so great as ignorance. Remember this.Rudyard Kipling

 

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