Januar 22

Deutsche Waffen, deutsches Geld….

Die Experten der (vermutlich) neuen Bundesregierung haben auf Druck(!) der SPD beschlossen: „Die Bundesregierung wird ab sofort keine Ausfuhren an Länder genehmigen, so lange diese am Jemen-Krieg beteiligt sind.“ Klingt ja mal nicht schlecht, könnte man meinen. Ein bisschen kann man darüber in diesem Bericht der Tagesschau (A) lesen.

Jetzt hat sich Thilo Jung gefragt, wer sind den die „Beteiligten“ und, da er ja auf der Bundespressekonferenz akkreditiert ist, gedacht, er fragt da mal nach. Hier die wirklich überzeugende Antwort:

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Ich denke, in Zeiten wie diesen, wo die Rechten den Narrativ der „Lügenpresse“ und der „vertuschenden Regierung“ forcieren, um ihre eigenen Botschaften einfacher (und vor allem unwidersprochener) unters Volk zu bringen, ist so eine deutliche Positionierung mit klaren Aussagen mal ein Schritt in die richtige Richtung.

Spoiler
Nur Spaß, die haben da nur gefaselt und wirklich widerlich herumlamentiert.

Wenn sich wer fragt, warum da von Amerika gesprochen wird, dem kann die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) (A) helfen:

Während vor allem die USA und Großbritannien eine aktiv unterstützende Rolle (Waffenlieferungen, Informationsbereitstellung, Planung) bei den militärischen Operationen einnehmen […]Bundeszentrale für politische Bildung

Die beste Demokratie, die man für Geld kaufen kann.

Premium-Bonuscontent: Die Überschrift zum Mitsingen. (Ist vielleicht nichts für Sensibelchen, aber dafür Punk.)

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Januar 19

WYSIATIS – What You See Is All There Is oder: Demokratie unter Irrationalen

Auf der Republik-Webseite (100% Leserfinanziertes Schweizer Magazin für Verwickeltes & Komplexes) ist ein Artikel mit dem Titel „Demokratie unter Irrationalen“ erschienen, den ich Euch wirklich ans Herz legen möchte.

Eigentlich ging/geht des den Autoren um die Frage, warum man einen Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk braucht, allerdings gibt es dazu einen Exkurs durch die aktuellen Ergebnisse der Hirnforschung, und Antworten auf die Frage, warum unser Gehirn uns etwas vormacht, unsere Handlungsfreiheit kleiner ist, als wir glauben und warum jemand rechte Brandstifter oder Linke Bahnhofsklatscher wählt. Mich hat dieser Artikel wirklich begeistert! Auch wenn ich nicht qualifiziert bin, die Qualität der zugrunde liegenden Studien bzw. Arbeiten zu beurteilen, hat der Text dennoch viele schöne Ansätze und spannende Erklärungsversuche, warum wir denken wie wir denken.

Dazu kommt eine wirklich spannende Betrachtung, was der Unterschied zwischen Schnellem und Langsamen Denken ist…

  • Das schnelle Denken ist ständig aktiv, es urteilt rasch und mühelos, ohne Unterlass und Willensentscheidung, in tausenden Alltagssituationen.
  • Das langsame Denken schaltet sich nur ein, wenn im Strom des schnellen Denkens etwas Komplexes, Gefährliches oder Unerwartetes auftaucht, etwa die Rechenaufgabe 42 × 57, eine unübersichtliche Strassenkreuzung oder ein rosa Dackel. Das langsame Denken verbraucht Energie, es strengt an, hat begrenzte Kapazitäten an Aufmerksamkeit – kein Wunder, ist sein wichtigstes Merkmal seine Faulheit.Demokratie unter Irrationalen

… warum Denken nicht immer gut ist…

Nachdenken kann Leben retten, vor allem seine Vermeidung. In Österreich sind fast 100 Prozent der Leute Organspender, in Deutschland 12 Prozent. In Schweden sind es 80 Prozent, in Dänemark 4 Prozent. Der Unterschied: In Deutschland und Dänemark muss man ankreuzen, dass man Organspenderin ist, in Österreich und Schweden, dass man es nicht ist. Die Unlust zu denken macht den Unterschied.Constantin Seibt

…und welche Geschmacksrichtungen die unterschiedlichen politischen Lager so im Angebot haben:

So, wie die Zunge fünf Geschmacksrichtungen kennt – süss, sauer, salzig, bitter, umami –, listet der Moralforscher Haidt sechs moralische Geschmacksrichtungen auf. Das sind:

  • Fürsorge vs. Quälen
  • Gerechtigkeit (oder Fairness) vs. Betrug
  • Freiheit vs. Unterwerfung
  • Loyalität vs. Verrat
  • Autorität vs. Subversion
  • Reinheit (bis hin zur Heiligkeit) vs. Schande

Die Linke hat nur die ersten drei im Angebot. Die Rechte dagegen deckt die ganze Palette ab.Demokratie unter Irrationalen

Alles in allem ein wirklich lesenswerter Artikel, den ich jedem nur ans Herz legen kann, der sich (u.a.) schon mal verzweifelt gefragt hat, was für Idioten zum Teufel die AfD oder FPÖ wählen (Spoiler: Die Ängstlichern und zugleich aber auch Empathischeren. Oder? Selber lesen!). Wenn man danach vielleicht auch keine Lösung hat, wie das zu verhindern ist, so kann man doch ein paar Denkansätze mitnehmen, die Licht ins Dunkel bringen und zur Selbsterkenntnis beitragen können.

Ach ja, und die Nummer mit dem Staatsfunk wird auch noch besprochen, ist aber nur eine Randerscheinung in dem Artikel. Auch wenn ich zum Beispiel der Überzeugung bin, dass wir den RTL-Nau-Verblödeten und Gratiszeitungs-Lesern nicht das Feld überlassen sollten und ein, möglichst neutraler, Staatsfunk nicht das schlechteste ist, wofür man sein Geld ausgeben kann, ist das nicht der Grund, diesen Artikel zu lesen.

PS: WYSIATIS aus der Überschrift ist Daniel Kahnemanns Grundregel: «What you see is all there is», kommt auch in dem Artikel vor.

Archiv: Demokratie unter Irrationalen – Republik (PDF als Backup, 3MB)


Artikel gefunden auf „Der Hassmaschine für Arschlochnerds„: Fefes Blog

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Januar 9

Sehenswerter Vortrag vom Zentrum für politische Schönheit auf dem 34C3

Tiger, Drucker und ein Mahnmal

Neues vom Zentrum für Politische Schönheit

„Flüchtlingsfressende Tiger in Berlin, zum Diktatorensturz aufrufende Flugblätter in Istanbul und ein Mahnmal das den Rechtsextremisten Björn Höcker in seinem Thüringer Dorf heimsucht: Viel ist geschehen, seit das Zentrum für Politische Schönheit vor 3 Jahren auf dem Kongress gesprochen hat. Grund genug mal wieder Bericht zu erstatten, aus dem Nähkästchen zu plaudern und unveröffentlichtes Material mit euch zu begutachten. Aber Vorsicht: das ZPS ist die einzige Organisation die von Björn Höcke das Gütesiegel „terroristische Vereinigung“ verliehen bekommen hat. Es könnte also lustig werden.“Text auf media.ccc.de zum Video
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Wirklich sehenswerter Vortrag vom ZPS (habe erst vor kurzen was von denen gehabt), die meiner Meinung nach Eier aus Stahl haben müssen.  Eine Stunde, die sich lohnt.

„Wir machen Stress. Wir sammeln keine harmlosen Unterschriften. Wir machen Leuten, die an Menschenrechtsverletzungen verdienen, das Leben zur Hölle.“Stefan Pelzer, CEO (Chief Escalation Officer)

Hier geht’s zum Zentrum für Politische Schönheit – Dort könnt Ihr auch „Komplize“ werden. Zitat: „Sie erhalten nirgendwo so viel Aufruhr und Dissens für jeden gespendeten Euro wie bei uns.“ – Ich denke, der Vortrag oben zeigt das auch sehr schön 🙂

Update: Ich habe jetzt die YouTube-Version des Videos eingebunden. Schöner hätte ich zwar den direkten Link auf media.ccc.de gefunden, allerdings verhindert irgendein Paranoia-Rotz, dass das Video im Internetz Entdecker von Micro$oft zu sehen ist. Jetzt kann man natürlich mit „Wer nutzt den schon“ und „Geschieht denen ganz recht“ und so weiter argumentieren, aber ich habe gerade die Schnauze voll von solchen Spielchen. Also: Wer nicht bei YouTube schauen will, findet hier den politisch korrekten Link, allen anderen wird’s egal sein.

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Januar 5

Journalismus ist nicht ganz tot!

Der stets zum Gruß erhobene rechte Arm der CDU, auch bekannt als CSU, hat ja schon kurz nach der letzten Wahl festgestellt, dass sie „die rechte Flanke schließen müssen“ (im Video ca. bei 1:20) (hat auch so ein Otto von der CDU gesagt, aber den kennt ja auch wieder keiner).

Nun hat der CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt diese Idee wieder aufgegriffen und zur „konservativen Revolution“ aufgerufen. Längerer Artikel zum Thema im Kraftfuttermischwerk, hier nur das darauf folgende Interview von Marietta Slomka mit Dobrindt, der (wie die meisten Nazis auch) wirkt, als wäre er mit dem kurzen Bus zur Schule gefahren worden:

Schönes Ding, ich mag es ja, wenn Kartoffeln vorgeführt werden, auch wenn ich im Allgemeinen nicht glaube, dass es Sinn hat, mit Nazis zu reden, so halte ich es dennoch für gut, wenn weiterhin versucht wird, ihre Tumbheit öffentlich zu machen.

In diesem Sinne: Barista, Barista, Anitfascista!

Archivierte Links
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September 1

Wahlwerbung: Die Partei!

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Für den Inhalt der Wahlwerbung sind die jeweiligen Parteien verantwortlich, wobei die Partei „Die Partei“ die einzige Werbung macht, die ich wirklich sehen will. Das gilt besonders für die Arschkrampen von den „Faschistoiden Populisten Österreichs (FPÖ)“, die mich seit kurzem mit ihren Angst-und-Hass-Wahlwerbespots für die geistig Armen auf YouTube nerven. Das ist die selbe braune Scheiße, wie sie von der deutschen Partei „Antworten für Dumme (AfD)“ propagiert wird.

Allen, die jetzt sagen „Naja, an der FPÖ/AfD/NPD ist ja nicht alles schlecht“ oder „Nicht alle FPÖ-Wähler sind schlecht, da sind ja auch normale Leute dabei“ etc. und „Nazis boxen ist auch keine Lösung, man muss mit denen reden und sie überzeugen“, denen möchte ich diesen Text von Wiglaf Droste um die Ohren schlagen:

[…] Alle Welt sucht das Gespräch mit Rechtsradikalen. Warum? Haben sie einem etwas zu sagen? Ist nicht hinlänglich bekannt, was sie denken, fordern und propagieren? Wo liegt der beschworene aufklärerische Wert, wenn Henryk Broder in der `tageszeitung‘ Franz Schönhuber interviewt?

Muß man an jeder Mülltonne schnuppern? Niemand wählt Nazis oder wird einer, weil er sich über deren Ziele täuscht, – das Gegenteil ist der Fall; Nazis sind Nazis, weil sie welche sein wollen. Eine der unangenehmsten deutschen Eigenschaften, das triefende Mitleid mit sich selbst und den eigenen Landsleuten, aber macht aus solchen Irrläufern der Evolution arme Verführte, ihrem Wesen nach gut, nur eben ein bißchen labil etc., „Menschen“ jedenfalls, so Heinz Eggert, „um die wir kämpfen müssen“.

Warum? Das Schicksal von Nazis ist mir komplett gleichgültig; ob sie hungern, frieren, bettnässen, schlecht träumen usw. geht mich nichts an. Was mich an ihnen interessiert, ist nur eins: daß man sie hindert, das zu tun, was sie eben tun, wenn man sie nicht hindert: die bedrohen und nach Möglichkeit umbringen, die nicht in ihre Zigarettenschachtelwelt passen. Ob man sie dafür einsperrt oder sie dafür auf den Obduktionstisch gelegt werden müssen, ist mir gleich, und wer vom Lager (für andere) träumt, kann gerne selbst hinein.

Dort, in der deutschen Baracke, dürfen dann Leute wie Rainer Langhans, Wolfgang Niedecken und Christiane Ostrowski zu Besuch kommen und nach Herzenslust mit denen plaudern, zu denen es sie zieht.

Den Rest der Zeit werden die Berufsdeutschen ein wenig gequält: Verordneter Antifaschismus all night long! Fritz Teppisch spricht nicht unter drei Stunden! Aus den Lautsprechern dröhnt verjüdelte Negermusik! Pflichtlektüre: die schlechtesten Satiren von Ephraim Kishon! Rechte Winkel und Viervierteltakt sind bei Strafe verboten, die Haare werden nicht mehr geschnitten. Abends Talkshow mit Henryk Broder und Lea Rosh – es herrscht Teilnahmspflicht. Und dann geht es ruckzuck ohne Nachtisch ins Bett – zu Mister Long Dong Silver. So geht das.

Verbaler Antifaschismus ist Käse. Militant soll er sein, vor allem aber erfolgreich. Wenn sich dabei herausstellen sollte, daß es sich gegen 50, 60, 70, 80 oder 90 Prozent des deutschen Volkes richtet,
dann ist das eben so. Wo Nazis `demokratisch‘ gewählt werden können, muß man sie nicht demokratisch bekämpfen.Wiglaf Droste - Mit Nazis reden

Kann man sich (teilweise) auch von ihm auf YouTube vorlesen lassen.

 

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August 29

PSA: Überwachungspaket verhindern!

Die Leute von EpicEnter.Works (ich trauere immer noch dem Namen AKVorrat nach) haben unter www.überwachungspaket.at wirklich schön alle Infos zum Thema Überwachungspaket aufbereitet, darum will ich hier nicht alles noch mal schreiben, nur soviel: Es gilt, die Umsetzung der Totalüberwachungsfantasien von Sobotka und seinen Spießgesellen zu verhindern. Weder die SMPFKAÖVP (Schmierige Maturanten Partei, formerly known as ÖVP) oder die Verräterpartei (Verräterpartei Liste Kern) werden von sich aus da viel verhindern, also ist jeder einzelne gefordert:


Oder, um mal Marco Pogo, einer der ganz großen Dichter unserer Zeit, zu zitieren:

Rasterfahndung – Lauschangriff – Überwachungsstaat

überoi nur Fetz’nschädeln – i hob de Scheiße satt!Turbobier - 'Kiwara'

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Mai 18

Quis custodiet ipsos custodes?

When you bring your knife to a gunfight…

„Alle fünfeinhalb Wochen wird in Deutschland ein Mensch von Polizisten erschossen.“ Das ist der Titel eines wirklich lesenswerten Dossiers der taz zum Thema lethale Gewalt durch die Polizei von Erik Peter und Svenja Bednarczyk.

Nur, dass wir uns gleich richtig verstehen: Weder ich noch der Artikel (zumindest lese ich ihn nicht so) wollen hier das Polizisten-sind-Mörder-Klischee bedienen. Der Punkt nach diesem Satz steht da und bleibt da.

Eine Frage in diesem Zusammenhang, dich mich beschäftigt und über die ich im privaten Rahmen auch schon viel diskutiert habe, ist, in wie weit Menschen, denen der Staat Schusswaffen in die Hand gibt, bessere Menschen sein sollten (müssen?) als andere. Eine der heftigsten Diskussionen drehte sich um zwei Fälle in Österreich. Einer, wo zwei Jugendliche in einen Supermarkt eingebrochen sind und dann der Polizei mit „Schraubenzieher und Spitzhacke bewaffnet“ in die Arme liefen, („bewaffnet“ war möglicherweise etwas geflunkert, wie sich hinterher rausstellte) was für einen 14-Jährigen tödlich endete sowie der zweite, wo die Wega einen Mann, der mit einem Messer bewaffnet war, mit 20 Schüssen hingerichtet hat. Ich schreibe hier absichtlich hingerichtet, weil es mir bis heute unvorstellbar scheint, wie acht Beamte einer Spezialeinheit, die sich in voller Kampfmontur sowie (auch) mit Tasern und Schlagstöcken bewaffnet einem(!) Verwirrten mit Messer gegenüber sehen, zu dem Entschluß kommen können, dass der 20 Schuß braucht, um keine Gefahr mehr für sie darzustellen.

Das richtige Mindset? Werbung der Schweizer Polizei

Mein Kumpel meinte damals, „dann hätten die halt nicht einbrechen oder mit einem Messer herumfuchteln sollen, dann wäre ihnen auch nichts passiert“. Bei solchen Ansagen geht mir das Geimpfte auf. Ich kann sie nur mit unreflektiertem Gerede entschulden, und so Stammtischgebrabbel brauche ich nicht. Diese Aussage wäre von mir aus richtig, wenn auf Supermarkteinbrüche oder Verwirrtsein ohnehin die Todesstrafe steht und wir hier auf den Philippinen unter Duterte wären. Sind wir aber nicht. Die Polizei ist die Instanz, die man ruft, wenn man sich quasi nicht mehr alleine helfen kann. Also, wenn mich wer verprügelt oder bei mir einbricht, rufe ich die Polzei, damit diese die Situation klärt und den/die Versursacher im Zweifelsfall der Rechtssprechung (Judikative) zuführt. Ich erwarte, dass die Beamten dafür ausgebildet und ausgerüstet sind.

Warum sollten Polizisten nun bessere Menschen sein als andere? Ganz einfach: Polizisten übernehmen in der Gesellschaft eine Aufgabe. Das macht auch mein Bäcker. Allerdings kann ich zu einem anderen Bäcker gehen, wenn der erste schlechtes Brot macht. Ich kann notfalls auch selber was backen oder ganz auf gebackene Produkte verzichten. Was ich nicht kann, ist mir eine andere Polizei zu suchen, weil die erste mich verkloppt hat. Was ich nicht kann, ist mich selber auszurüsten und zu bewaffnen, weil ich mich vielleicht mit der derzeitigen Polizei nicht so gut verstehe. Das will der Staat nicht und ich will das auch nicht, weil das Anarchie ist, und das ist nicht die Staatsform, in der ich leben möchte (auch wenn wir das tun, aber das ist ein anderes Thema und da geht es mehr um Geld.) Ich sehe mich also einer alternativlosen Instanz gegenüber, gegen die ich mich nicht wehren kann (nicht im akuten Moment, wen soll ich da anrufen, wenn mich die Polzie gerade beamtshandelt? Noch mehr Polizei? Die aus dem Nachbarland?) und die par ordre du mufti mit Waffen und Rüstung daher kommt.

Hier entsteht ein Ungleichgewicht der Kräfte zu meinen Ungunsten (und das soll im Normalfall ja auch so ein, wenn die Polizei schon für die Gesellschaft die Kohlen aus dem Feuer holen soll, braucht sie auch das Werkzeug dazu) und das bedeutet für mich ganz klar, dass der Stärkere auch der „Bessere“ sein muss. So wie wir als Erwachsene nicht mit Kindern rummachen, so sollten wir als Polizisten keine Wehrlosen oder zumindest deutlich Unterlegenen verkloppen oder erschießen. Letzteres sollte sowieso gar nicht gemacht werden und wenn, dann bedarf es tiefgreifender Untersuchungen, ob und wie das vermeidbar war oder nicht, mit Konsequenzen. Hier muss der Polizist, auch wenn das nicht einfach ist, der Reflektierte und Besonnene sein und so handeln. Das ist im Rahmen einer Demo sicher nicht einfach, aber das ist der Beruf, den er gewählt hat. Dafür muss er nicht als Risk-Manager oder Search-Engine-Optimizer sein Leben in der gesellschaftlichen Entbehrlichkeit fristen sondern macht einen Job, der für unser Zusammenleben wichtig ist. Dieser Job kommt halt mit einigen Pflichten, die meiner Meinung nach von der Gesellschaft eingefordert werden müssen.

269 Personen wurden von der Polizei im Beobachtungszeitraum erschossen, das waren die Verluste, die sie dabei erlitten hat. (Quelle)

Also, bitte mal in den erwähnten Artikel reinschauen, es lohnt sich wirklich. Ich habe keine Lösung für das Problem, aber ich denke, wir müssen uns dessen bewusst sein und dürfen als Gesellschaft nicht zulassen, dass hier amerikanische Verhältnisse einziehen. Diskussion gerne in den Kommentaren.

TL; DR:
Ich stehe auf dem Standpunkt, dass Polizeigewalt absolut unentschuldbar ist und bleibt. Sicher kann und wird es Notwehr-Situationen geben, keine Frage. Ein psychisch gestörter mit einem Messer jedoch kann wohl schwer eine solche für acht Sonderkommando-Superkrass-Harte-Typen darstellen. Genauso wenig entschuldbar finde ich, wenn auf Demos einzelne rausgepickt werden und dann beamtshandelt werden, bis das Blut spritzt. Egal, was die vorher gemacht haben. Exekutive ist nicht Judikative, und das sollte auch so bleiben.

Titel: „Quis custodiet ipsos custodes?“ – „Wer wird die Wächter selbst bewachen?“ Juvenal, Satire 6, 347 f. Wir auch gerne mit „Wer bewacht die Wächter“ übersetzt.

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April 17

I see the bad moon arising…

Ich würde mir wünschen, jedem, der in Westeuropa lebt, eine doppelte (oder nur die Türkische) Staatsbürgerschaft hat und mit „evet“ gestimmt hat, ggf. die Zweite wegzunehmen und ihn in die Türkei abzuschieben. Wer Scheiße säht, soll Scheiße ernten. Sich hier in Freiheit zu bewegen und anderen in seinem „Heimatland“ per Abstimmung eine Diktatur unter Erdolf Kurdenslayer (#IrrervomBosporos) zu verschaffen, ist einfach abartig.

© HoGeSa

Kommentar von Lenz Jacobsen in der Zeit: Der Tod der türkischen Republik.

 

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März 31

Mein Geld, meine Daten, meine Privatsphäre!

Wieder einmal gibt es Überlegungen in der EU, gegen das Bargeld vorzugehen. Ich bin ein strikter Gegner der Abschaffung des Bargeldes, eine kurze Erläuterung, warum, habe ich an die Umfrage gehängt, über die ich gleich noch was schreibe:

Ich bin der Meinung, dass eine weitere Einschränkung der Verwendungsmöglichkeiten von Bargeld einen erheblichen Eingriff in mein Recht auf informationelle Selbstbestimmung bedeutet. Ich möchte frei entscheiden können, ob ich beim Einkaufen dem Verkäufer meine Identität mitteilen möchte. Bereits heute verzichte ich auf Kundenkarten, Treueprogramme oder „Payback“-Karten, weil ich Angst vor Datenaggregatoren habe, die meine Einkaufsgewohnheiten sammeln, de-anonymisieren und dann meistbietend verkaufen. Dieses würde ad absurdum geführt, wenn ich stattdessen anhand meines digitalen Zahlungsmittels getrackt werden könnte.

Ich habe nichts gegen bestimmte Obergrenzen, so wie es sie auch heute schon gibt. Alles ab 10.000€ darf meinethalben digital erledigt werden müssen. Ich glaube allerdings fest daran, dass es weder gegen Terrorismus oder Geldwäsche bzw. Steuerhinterziehung hilft.

Terrorismus wird meiner Meinung nach weitgehend aus dem Ausland finanziert, wo solche Regeln entweder nicht existieren oder, wenn der Terror von größeren Organisatoren bzw. Staaten finanziert wird, die Regeln nicht angewendet werden.

Steuerhinterziehung und Geldwäsche wird meiner Meinung nach ebenfalls (zumindest in dem Rahmen, wo es wirklich spannend wird) von Personen mit Zugriff auf andere Ressourcen wie Anwälte, Stiftungen, Briefkastenfirmen etc. betrieben und wird daher durch eine Reduzierung des freien Bargeldverkehrs sicher wenig beeinträchtigt.

Auch wenn der Herr Tychi da spricht, über den ich mir derzeit keine abschließende Meinung gebildet habe, glaube ich, dass dieses Video einen recht interessanten Diskurs zu dem Theme beinhaltet:

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(Man kommt an Tichy auch kaum vorbei, wenn man zu dem Thema Bargeldabschaffung Informationen sucht) Was in dem Video so gegen Mitte etwas durcheinander geworfen wird sind Negativzinsen und Inflation, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe:

Negativzinsen haben wir schon, auch wenn es vielleicht noch keine Privatsparer betrifft. Das bedeutet, ich legen 1.000 Euro auf die Bank und habe, nehmen wir mal -0,5% Zinsen an, nach einem Jahr entsprechend nur noch 995€ auf dem Konto. Das kann mir bei Bargeld nicht passieren, das wird höchsten geklaut oder verbrennt bei einem Luftschiffunglück über dem Footballstadion am Neujahrstag, aber es wird von alleine nicht weniger (oder mehr, wenn wir mal eine positivere Zinsentwicklung annehmen).

Inflation heißt, ich habe am Anfang des Jahres 100 Euro und bekomme dafür eine bestimmte Menge Waren, sagen wir der Einfachheit halber, ich bekomme dafür 100 Becher Kaffee beim Spar. Nun setzt die Inflation ein, sagen wir mal ganz reißerisch mit 5% und nehmen an, dass sich die Preise immer live anpassen (in Wirklichkeit passiert das natürlich Schrittweise und wir haben in DACH derzeit eine Inflation zwischen -0,43% (CH) und +0,93% (A)). Damit bekomme ich jedenfalls nach einem Jahr für 100€ nur noch 95,2 Kaffees, und zwar unabhängig davon, ob ich die bar oder mit Karte bezahle. Also: Inflation ist nicht das selbe wie Negativzinsen.

Was auch in dem Video irgendwie nicht angesprochen wird: Bargeldloses bezahlen ist nicht gratis, sondern kostet Geld! Auch hier gilt die goldene Regel „Cui Bono?“, wenn man sich anschaut, wer denn die Abschaffung des Bargeldes betreibt: Neben ganz wenigen Verstrahlten, die das aus Überzeungung betreiben, gibt es meiner Meinung nach zwei Gruppen, die hier lobbyieren. Die stärkste Gruppe sind natürlich alle, die an den Daten interessiert sind, seien es Behörden, die hoffen, Steuerhinterziehungen in den Griff zu bekommen oder Datenaggregatoren, die gerne anhand meiner Einkaufsgewohnheiten wissen wollen, ob sie mir die günstige Krankenversicherung noch anbieten wollen oder lieber keine/eine teurere. Die zweite, vermutlich etwas schwächere Gruppe, sind die, die damit mittelbar Geld verdienen: Payment-Provider, seien es jetzt Kreditkarten-Anbieter, Banken oder auch so Fraktionen wie PayPal. Die nehmen Gebühren fürs Abwickeln, je mehr vom Zahlungsverkehr über sie läuft, je mehr schneiden sie mit. Dass sie die Daten dann noch verhökern, ist quasi das Topping auf dem Eis.

Alles in allem ist das Beschneiden des Bargelverkehrs unterhalb eines sinnvollen Betrages ein reiner Angriff auf meine Datensouveränität, da ich dann im Grunde nichts mehr kaufen kann, ohne, dass mehrere Parteien davon in Kenntniss gesetzt werden, angefangen vom Verkäufer über den Payment-Provider bis zu meiner Bank, und da sind noch nicht alle die eingerechnet, die diese Daten dann später kaufen und weiterverbreiten.

Gerade ist die EU dabei, die Bürger zu befragen, was sie denn so im groben davon halten. Diese Umfrage ist in Deutsch, dauert keine zehn Minuten und ist hier zu finden: KONSULTATION – EU-Initiative zu Beschränkungen für Barzahlungen (Falls Ihr es super eilig habt, hier ein direkter Link zur Umfrage)

Macht da mit! Egal, ob Ihr meiner Meinung seit oder nicht. Wer seine Meinung nicht sagt, darf sich nachher nicht wundern, wenn keiner sich danach richtet!

Leider sind sowohl die Risiko- und Folgenabschätzung als auch die Consultation Strategy in Englisch, aber die Rahmeninformationen, die auf der Webseite und in der Umfrage gegeben werden, reichen aus, damit man weiß, dass man bei der richtigen Umfrage ist 😉 (Und informieren und seine Meinung bilden sollte man eh vorher erledigt haben).

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